Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Dr. Eduard Straßmayr: Das Archiv der Kirchdorf-Micheldorfer Sensenwerksgenossenschaft im Landesarchiv zu Linz

78 Dr. Eduard Straßmayr. des Eisenobmannes an die Zeehmeister, in anbetracht der bedrohten Lage keinen Jahrtag abzuhalten und die Handwerkslade samt den kaiserlichen Privilegien und sonstigen Schriften an einen sicheren Ort zu bringen.1) Zu Beginn des 18. Jahrhunderts mußten die Aktenbestände schon so stark angewacbsen sein, daß sich das Bedürfnis einer eingehenden Regi­strierung herausstellte. Balthasar Hämetner, Lad-und Handwerkschreiber, zugleich auch Marktschreiber von Kirchdorf, wurde von den Zechmeistern mit der Aufgabe betraut, die alten und neuen Schriften der Sensen­schmiedmeister zu Kirchdorf zu registrieren, und im Jahre 1710 lag das »Schrüfften-Register«2) fertig vor. In den alten Archivordnungen sind in der Regel alte und neue Akten vereinigt, hier hingegen begegnen wir einer genauen Trennung des Archivs von der Registratur. Die wich­tigsten Dokumente, wie kaiserliche Privilegien und Konfirmationen, und die Schriften bis zum Jahre 1664 waren in der alten Lade im Rathaus untergebracht und im Repertorium in 97 Nummern, die eine kurze In­haltsangabe boten, zusammengefaßt. Die für den Geschäftsverkehr öfter gebrauchten Akten von 1664 bis 1710 hatte der Handwerkschreiber in der »Ordinari-Kanzlei« im Rathaus verwahrt, mehrere Stücke befanden sich in der neuen Handwerkslade auf der Herberge. In der Einleitung zum Inventar ist mit Nachdruck betont, daß die alten und neuen Schriften niemals in einer Truhe oder einem Kasten zusammengelegt werden sollen, da jeder Teil für sich registriert ist. Hebe jemand einen Akt aus, so sei auf demselben die Nummer des Faszikels zu vermerken, damit er »konnfftig wüderuinb zu seinenThaill khommen khann«.Wenn dies bestens observiert werde, könne diese Registratur viele Jahre in gutem Zustand hergehalten werden. Die im Jahre 1710 durchgeführte Repertorisierung fand 1739 in­sofern eine Fortsetzung, als die inzwischen hinzugekommenen Akten auf die einzelnen Materien aufgeteilt und in das neu angelegte Register3) summarisch eingetragen wurden. Der Umstand, daß die Akten an drei verschiedenen Stellen unter­gebracht waren, barg die Gefahr der Verzettelung in sich. Überdies konnte leicht eine Vermengung der Zunftschriften mit den Akten des Marktes Kirchdorf eintreten, da der Marktschreiber zugleich die Schreib­geschäfte der Sensenschmiede versah und deren laufende Stücke in der Amtskanzlei im Rathaus verwahrte. Daher sah sich der Eisenobmann bei der Jahrtagsitzung im Jahre 1764 veranlaßt, dem Handwerk die An­’-) A. a. 0. Band 17, Nr. 5. 2) Kleine Papierliandschrift, 24 f.; a. a. 0. Band 22, Nr. 63. !) A, a. 0. Band 22, Nr. 63. '

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