Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.
Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden
38 Otto H. Stowasser. brief man under dem . a . vindet, die ligend auch in der lad da daz1) a auf ist, und was brieff man under dem . b . vindet, die vindet man auch in der lad, da daz . b . auf ist, und also das . a . b . c . usz und usz und under den andern zaichen, die man darnach vindet, och also. Under welchem buchstaben oder zaichen man brief nimpt, die sol man hinwider legen under iren buchstaben oder zaichen. Demnach lagen die Urkunden in Laden, die mit den Buchstaben des Alphabets und, was darüberging, mit anderen Zeichen2) signiert waren. An diese Ordnung nach den Buchstaben des Alphabets hielt sich auch Putsch noch. In den Repertorien von 1384 und 1422 sucht man aber vergebens nach einem leitenden Gedanken bei der Zuteilung der einzelnen Urkunden. Zwar sind die Briefe, mit denen verschiedene Pürsten und Herren sieh König Friedrich und seinen Brüdern, den Herzogen von Österreich, in ihrem Kriege gegen den »Herzog Ludwig von Baiern« verbanden, im Zusammenhänge verzeichnet3), aber keineswegs sind nun alle Bündnisbriefe zu einer Abteilung vereinigt. Oder wenn in der »schkatel, da ein koph auf ist«4), auch durchgängig »Quittbriefe« liegen, so waren doch keineswegs alle Urkunden, die die Handschrift selbst mit diesem Namen bezeichnet, unter diesem Zeichen vereinigt; auch unter dem Schuh, sowie »in dem tröge, der ist überzogen mit eim gehören Jeder«5) u. a. 0. lagen andere eingestreut. Noch weniger wie solche Kriterien sind solche topographischer Art nachweisbar, sondern der Zufall spielte die Rolle des Ordners. Das zeigt sieh besonders deutlich bei dem Zuwachs, den die Handschrift von 1422 verzeichnet. Unter dem Bindenschild »ligend all die brief, die herr Steppfan, mins herren herczog Fridrichs kantzier, hern Rüdgern Spengler, lu(t)priester ze Baden, in dem6) zit, als min herre im land was, ingeantwurt7) hat und ouch uff die vesty ze Baden komén sint an fritag nach sant Michelstag anno etc. cccc quinto«.8) Verzeichnet sind sie weiter nicht, wohl *) Or. irrig.: in der iada daz. Korrigiert nach dem folgenden Wortlaut. 2) Zu Baden im Aargau finden sieh das Kreuz, die Lilie, ein Frauenkopf, der Bindensehild, die Hacke, der Galgen, der Schuh, die Krone usw. 3) Sie lagen »in dem grossen nuszbonim tröge«. Hs. von 1442, fol. 89'. 4) Ebenda, fol. 78. 5) Ebenda, fol. 84. 6) So! Ebenda, fol. 96'. 7) Hs. ie geantwurt. 8) Es liegt die Vermutung nahe, daß der Leutpriester von Baden Rüdiger Spengler mit dem Rüdiger identisch ist, der das Repertorium von 1384 anlegte. Für diese Detailforsehung sind überdies diese alten Repertorien ein äußerst wertvoller Behelf. So geht, um nur ein Beispiel hier noch anzuführen, aus Putschens Wiener Repertorium Band 2, Seite 1 als Familienname des Passauer Chorherrn Meister Ber- thold, der wohl derselbe ist, dem wir die Anlage des oben besprochenen Pfand- verzeichnisseä von 1313/14 verdanken, der Name Vener hervor.