Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.
Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden
Das Archiv der Herzoge von Österreich. 37 treffen wir ihn doch schon im Juni zur Sichtung der dort aulbewahrten Urkunden in Wiener-Neustadt.1) Es handelte sich um nichts Geringeres als um eine Zweiteilung der gesamten Archivalien nach territorialem Gesichtspunkte zwischen Wien und Innsbruck, »also das sölh brief zu yeder unnser regierung, dahin sy mit irem innhalt diennen, verordent unnd hinfuron wie die notdurfft erfordert ze finnden unnd gebrauchen werden mugen«, wie es in dem schon zitierten Mandate vom 20. Jänner 1527 heißt.2) Und wie die Durchführung und spätere Aufteilung an Hand der von Putsch verfertigten Eepertorien beweisen, war dabei Wien eine Eolle vor Innsbruck zugedacht. Denn in Wien, als der eigentlichen Zentrale des Hauses Österreich, lagen die wichtigsten Hausurkunden und die den Gesamtstaat betreffenden Archivalien. Welche Hilfsmittel standen nun Putsch zur Verfügung? Anders lautet die Frage: in welcher Ordnung fand er die einzelnen Archive vor? Wir werden gleich Gelegenheit haben, speziell für das Wiener Archiv den Verlust einiger Eepertorien nachzuweisen, über die Art der damaligen Archivordnung aber müssen wir uns bei den anderen Eat holen. Über die Ordnung verlorener Archive oder über frühere Ordnungsverhältnisse noch bestehender geben erhaltene Eepertorien meist den einzigen, stets aber den sichersten Aufschluß. Das älteste habsburgische Archivrepertorium nun, das sich meines Wissens erhalten hat, betrifft die Vorlande und gibt den Bestand des Archivs auf Baden im Aargau wieder. Es liegt heute als erster Band der Handschrift Weiß 228 im Staatsarchiv3) und trägt auf dem ursprünglichen Pergamentumschlag die Aufschrift: Begistrum literarum in castro Baden dominorum ducum Austrie per Büdigerum perlectarum. Eegistrate tempore domini ducis Leupoldi postea in bello interempti. Demnach stammt dieses Verzeichnis aus der Zeit Herzog Leopolds III., genauer, wenn man der weiteren Aufschrift auf dem alten Pergamentumschlag trauen darf, aus dem Jahre 1384, in dem es aber keinesfalls abgeschlossen sein kann, weil noch Urkunden von 1385 in einem Zuge eingetragen sind.4) Es wurde 1422 erneuert5), und zwar in der gleichen Technik und nur im einzelnen vermehrt, so daß wir beide unter einem besprechen dürfen. Das Exemplar von 1422 belehrt uns einleitend über die Aufbewahrung der Urkunden wie folgt: An disem büch sind alle die brief gemerckt unter dem . a . b . c ., so unnser herschafft von Osterrich hat auff der vest Baden. Also was 4) Hofkaminerarehiv, Niederösterreieliisehes Gedenkbuch I, 28, fol. 38. 2) Innsbruck, Geschäft von Hof 1527, fol. 117. 3) Bei Böhm, Die Handschriften des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Nr. 450. 4) Hs. fol. 22'. 5) Band II derselben Handschrift. Band III ist eine moderne Abschrift von Band II aus dem Jahre 1843.