Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden

36 Otto H. Stowasser. Putsch in diesen Jahren auch die außerhalb Wiens und Innsbrucks ge­legenen Archive zu sichten und ihre Überführung zu leiten. So finden wir ihn im Juni 1527 und im März 1529 in Wiener-Neustadt, das er auch 1537 wieder besuchte'), 1533 zog er nach Trient, um daselbst Jacob de Banisiis, des verstorbenen Domdekans, hinterlassene Papiere zu sichten.* 2) Vorher, bereits im Jahre 1528, war die Übersendung der Grazer Bestände nach Wien angeordnet worden3), 1545, also schon nach Abschluß der Innsbrucker Arbeiten, wurden dann die Urkunden von Wallsee übertragen4 5) und als letzter Bestand kam vor Abschluß auch der Wiener Archivordnung durch Putsch 1546 oder 1547 noch ein Teil des Archivs der Grafen von Görz nach Wien.6) Aus dem Innsbrucker Archive fanden ferner 1531 Extraditionen an Trient und die Pfalzgrafen statt6), hingegen forderte Putsch die bei der tirolischen Kammer er­liegenden Archivalien im selben Jahre für die dortige Zentrale ein.7 8) Ein ruhiges Leben war dem fleißigen Manne somit nicht gegönnt; erst als er 1540 seine Arbeiten in Innsbruck abgeschlossen hatte, konnte er, des vielen Beisens wenigstens etwas enthoben, sich wohl mit mehr Muße seinen Wiener Arbeiten widmen, die wir des näheren nun betrachten wollen, weil sie über seinem längst bekannten und mit Becht heute noch so hoch geschätzten Wirken im Innsbrucker Archive bisher ver­gessen waren und unseres Erachtens sich seine Tätigkeit als eine weit­umfassendere und systematischere darstellt, als man meinte.6) Putsch sollte, wie wir oben erwähnten, zu Lichtmeß 1527 in Wien eintreffen, doch verzögerte sich seine Abreise von Innsbruck und erst im Mai unternahm er die Fahrt.9) Dann ging er rüstig an die Arbeit, 0 Hofkammerarchiv, Niederästerreichisehes Gedenkbuch I, 28, fol. 38, 35, fol, 34 b, 43, fol. 45. Ich lege auf eine Vollständigkeit der Nachweise der erwähnten Archiv­fahrten sowie auf vollständige Aufzählung derselben natürlich keinen Wert. 2) Innsbruck, Raitbuch 1533, fol. 200. 3) Mandat vom 24. Dezember 1528 im Staatsarchiv, das im Sammelfaszikel 1545, Oktober 26, liegt. 4) Inventar vom 26. Oktober 1545 im Staatsarchiv; Arehivbehelf 358a. 5) Mayr, a. a. 0. S. 155 (vgl. Geschäft vom Hof 1546, fol. 128), wo noch spätere Extraditionen der görzischen Lehensregistratur (1557) und der Reichsregistratur Maxi­milians I. (1559) erwähnt werden. Nach Mayr, S. 157, war Putsch aueh an diesen Extraditionen noch beteiligt — er lebte noch bis 1564, vgl. Mayr, S. 116, Anm. 1 —, aber sie fallen zeitlich erst nach Abschluß der Wiener Arehivordnung (1547). 6) Mayr, S. 155 und 156. ’) Innsbruck, Missiven an Hof 1531, fol. 159; An die K. M. Lib. 4, 1531, fol. 419; Von der K. M. 1530/31, pag. 40U ,. Ygl. Mayr, a. a. 0. S. 145. 8) Über das von Putsch angelegte Innsbrucker Repertorium vgl. Mayr, S. 146. Es dient noch heute als ständiger Archivbehelf. Ein Exemplar des Bandes III erliegt auch im Wiener Staatsarchiv. 9) Innsbruck, An die K. M. Lib. 3, fol. 14', und Geschäft von Hof 1527, fol. 104', sowie die S. 35, Anm. 2 angeführten Belege.

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