Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Dr. Eduard Strassmayr: Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreich
Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreieh. 93 indem er das ganze Archiv zu 200 Laden einrichtete und von diesen innerhalb der verschiedenen Aktenmaterien 63 frei ließ. Die Anlage des Repertoriums läßt den praktischen Gesichtspunkt erkennen, der ihm vor Augen schwebte und am meisten den Bedürfnissen der Marktverwaltung entsprach: Evidenzhaltung und die Möglichkeit einer raschen Auffindung der für Verwaltungs- und Rechtszwecke benötigten Stücke. Nach den im Kanzleiverkehr gebräuchlichen Schlagworten, wie Bürgeraufnahmen, Erbschaften, Kaufbriefe, Miinzsachen, Straßen, Ungeld . . . geschah die Zusammenstellung der Akten, und zwar in alphabetischer Anordnung. Wir treffen hier nicht die bei Einrichtung von Registraturen im 18. Jahrhundert1) und von Trauner wiederholt in anderen Archivkatalogen angewendete Gruppierung nach den großen Materien Justicialia, Cameralia, Criminalia, Militaria, Publica, Oeconomica. Eine Trennung von Archiv und Registratur ist nicht durchgeführt, sondern die Schriften sind von der ältesten Zeit bis 1777, dem Zeitpunkte der Katalogisierung, im Zusammenhänge verzeichnet. Mit Fleiß und Genauigkeit ist im Inventar von jedem Akt die innerhalb jeder Lade fortlaufende Nummer, ein oft längeres Regest und das Jahr in chronologischer Reihenfolge angegeben. An der Hand des Repertoriums lassen sich die seit 1777 verloren gegangenen Archivalien genau feststellen. Von den in demselben verzeich- neten 3368 Archivstücken fehlen 2349, also mehr als zwei Drittel. Leider sind gerade sehr wertvolle Bestände zugrunde gegangen: Privilegienverleihungen, Reskripte und Befehle seitens des Hochstiftes Bamberg und des Bambergschen Vizedomamtes Wolfsberg in Kärnten (Lade 16 und 17). Reformations- und Bauernrebellions-Akten (Lade 18). Bürgeraufnahmen und Abschiede, Bürgerbuch (Lade 28). Militärische Durchzüge, Einquartierungen, Kriegsschäden (Lade 120, 124, 125 und 140). Pfarr- und Schulangelegenheiten (Lade 133). Richter- und Ratswahlen (Lade 151). Differenzen des Marktes mit Kremsmünster und Schlierbach (Lade 102 und 158). Wie so manche andere von Trauner geordnete Bestände hat auch das Kommunalarchiv Kirchdorf das Schicksal getroffen, von den nachfolgenden Generationen keiner entsprechenden Obsorge und Beachtung gewürdigt zu werden. Die von Trauner vorgezeichnete Registratur-Ordnung fand in der Folgezeit keine Fortsetzung und die neu hinzugekommenen Akten wurden nicht in die für diesen Zweck freigelassenen Blätter des Repertoriums eingetragen. Mag auch die verheerende Brandkatastrophe von 1877, welche fast den ganzen Markt in einen Trümmerhaufen verwandelte, dem Archiv hart zugesetzt haben, gewiß haben auch Verständnis1) Vgl. B. Pösinger, Das Stiftaarehiv Kremsmünster 1302—1912. üymnasial- Programm von Kremsmünster 1912, S. 40 ff.