Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Dr. Eduard Strassmayr: Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreich
94 Dr. Eduard Straßmayr. losigkeit und ungeeignete Aufbewahrung den Aktenbestand vermindert. Heute noch zeigen verschiedene Stücke die zerstörende Wirkung von Feuchtigkeit und Moder. Ein bis ins 14. Jahrhundert zurückreichendes ansehnliches Urkunden- und Aktenmaterial füllte 1777 die Archivschränke im Kirchdörfer Rathaus, der größte Teil desselben ist im 19. Jahrhundert zugrunde gegangen. Wie sehr auch dieser Verlust zü beklagen ist, muß es doch als ein Glück bezeichnet werden, daß noch ein verhältnismäßig ansehnlicher Teil gerettet wurde. An Reichhaltigkeit und historischem Werte übertrifft das Kommunalarchiv weitaus die Mehrzahl der oberösterreichischen Gemeindearchive. Während diese meist nur Urkunden und Handschriften besitzen, weist ersteres erfreulicherweise auch zahlreiche Akten auf. Eine wertvolle archivalische Fundgrube stellt das alte Inventar von Trauner dar, das in seinen mitunter sehr ausführlichen Regesten wenigstens einen kleinen Ersatz für die verlorenen Stücke bietet. Nach dem heute allgemein angewendeten Einteilungsprinzip ist das Archiv in 3 Gruppen gegliedert: Urkunden, Akten, Handschriften (gebundene Bücher). Von den 85 Urkunden tragen 75 Stück, die unter die Akten eingereiht waren, die mit Trauners Inventar korrespondierende Signatur, 7 sind mit der Signatur »Bürgerlade« versehen. Den Inhalt der letzteren hat Trauner weder in seinem Register berücksichtigt, noch ein selbständiges Verzeichnis darüber angelegt. Wie schon früher erwähnt, sind die Handschriften in die Arehivordnung von 1777 nicht einbezogen. Übersicht. Ur kun den. Die Urkunden tragen die fortlaufende Nummer 1 bis 85 und umfassen die Jahre 1335 bis 1853. Mit wenigen Ausnahmen betreffen sie Käufe, Tausch- und Lehensangelegenheiten sowie Stiftungen des Marktes Kirchdorf, der Bürger und Untertanen. Hervorgehoben seien: 1523. Richter und Rat des Marktes Kirchdorf bekennen, daß das Handwerk der Schneider mit Wissen des Vikars Sigmund Weinmaister die Errichtung und Abhaltung einer Zeche in der St. Gregor-Pfarrkirche zu Kirchdorf angezeigt und Artikel (im Wortlaut angeführt) festgesetzt habe. Orig. Pap., 5 aufgedr. Siegel, abgefallen. 1584 Oktober 8, Prag. K. Rudolf II. bewilligt dem Markte Kirchdorf die Abhaltung eines Wochenmarktes an jedem Montage. Orig. Perg., anh. Siegel in Holzkapsel, zerbrochen. 1580 Dezember 16, Bamberg. Bischof Ernst zu Bamberg bestätigt dem Markte Kirchdorf die alten Freiheiten und Gerechtigkeiten. Kollat. Abschrift von 1596, Pap., 4 fol.