Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Dr. Eduard Strassmayr: Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreich

88 Dr. Eduard Straßmayr. sierung von Stadt-, Markt- und Kommunalarchiven gemacht worden, die in den Jahren 1900 und 1901 eine Fortsetzung fand.1) Beim Durchblättern dieser Publikationen können wir die Tatsache konstatieren, daß mehrere Gemeinwesen bedeutendes archivalisches Ma­terial in unsere Tage herübergerettet haben. Wir werden aber auch die großen Verluste gewahr, welche die heimatliche Geschichtsforschung im Laufe der Zeiten durch Verwahrlosung und Verschleppung der Orts­archive erlitten hat. Auf einen Zirkularerlaß des Landesausschusses im Jahre 1894 betreffs des Vorhandenseins von Archivalien erstatteten von 500 Gemeinden 445 eine Fehlanzeige. Wenn sich auch diese Bericht­erstattung nicht in allen Fällen als zuverlässig erwiesen hat, so ist doch nur mehr ein sehr geringer Prozentsatz der Gemeinden im Besitze von Dokumenten, welche die wechselvolle Geschichte, das Verfassungs- und Wirtschaftsleben früherer Jahrhunderte in den verschiedenen Teilen des Landes verfolgen lassen.* 2) Diese Zeugnisse einer denkwürdigen Vergangenheit dem Lande zu erhalten, ist nicht bloß im Interesse der Geschichtswissenschaft, son­dern auch ganz besonders der Gemeinden selbst gelegen, da in den alten Papieren oft wichtige Rechts- und Besitztitel (Marktprivilegien, Stiftungen, Nutzungsrechte) verbrieft sind. In verständnisvoller Würdi­gung des Wertes der Gemeindearchive hat die Landesverwaltung im Jahre 1905 die alljährlich vorzunehmenden Archivrevisionen eingeführt und fünf Jahre später in einem Erlasse sämtlichen Gemeindevorstehungen und Kommunalverwaltungen die feuersichere Unterbringung und sach­kundige Ordnung der Archive aufgetragen. In der vom oberösterreichi­schen Landtage im Jahre 1914 beschlossenen neuen Gemeindeordnung wird den Gemeinden die Inventarisierung der Archivalien als eines Teiles des Stammvermögens ausdrücklich zur Pflicht gemacht.3) Diese Aktionen auf dem Gebiete des Archivwesens haben bereits schöne Erfolge gezeitigt. Sechzehn Gemeinden und Kommunen (Aurolzmünster, *) Ergebnisse der im Aufträge des Öberösterreichischen Landesausschusses durch den Landesarchivar Dr. Ferdinand Kraekowizer im Sommer 1895 unternommenen Besichtigung der vorzüglichsten Archive der Städte, Märkte und Kommunen von Ober­österreich (Linz 1895) und Ergebnisse der im Aufträge des Öberösterreichischen Lan- desaussehusses durch den Landesarchivar Dr. Ferdinand Kraekowizer in den Jahren 1900 und 1901 unternommenen Besichtigung von Markt- und Kommunalarchiven in Oberösterreich (Linz 1901). 2) Zum Vergleich sei angeführt, daß unter den 8000 politischen Gemeinden des Königreiches Bayern mindestens die Hälfte, in Unterfranken sogar 85°/0 im Be­sitze von Archiven sind. 0. Biedner, Staatliche Fürsorge für die bayrischen Ge­meindearchive und Wert der Gemeindearchive Unterfrankens im Korresponden/.blatt des Gesamtvereines der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine 60, 366 ff. 3) Beilage Nr. 39 zum stenographischen Protokolle des Öberösterreichischen Landtages, XL Wahlperiode, if. Session, 2. Abschnitt, 1913/14.

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