Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Dr. Eduard Strassmayr: Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreich

Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreieh. 89 Dimbach, St. Florian, St. Georgen i. Attergau, St. Georgen a. Gusen, Gmunden, Gramastetten, Hofkirc-hen i. Mühlkreis, Bad Ischl, Laufen, Mauthausen, Neukirchen a. Wald, Obernberg, Struden, Vöcklamarkt und Waldhausen) deponierten ihre Bestände im Landesarchive, während Bad Hall, Berg, Rohrbach und Schorf ling dieselben nach fachmännisch durchgeführter Ordnung und ßepertorisierung selbst in Verwahrung be­hielten. Q Gelegentlich der Bereisungen wurde die Erfahrung gemacht, daß Archive auf dem Dachboden und in der Rumpelkammer ihr kärgliches Dasein fristeten und den Inventarisierungen von 1895 und 1900/1901 entgangen oder nur teilweise aufgezeichnet worden waren. So fanden sich im Jahre 1900 im Rathause zu Kirchdorf in der aus dem Jahre 1630 stammenden, schön gearbeiteten Bürgerlade nur 16 Pergament­urkunden und in der Gemeindekanzlei ein umfangreiches Archivreper­torium von 1777 vor. Zehn Jahre später förderte eine eingehende Nachforschung des Landesarchivars Dr. Ziberinayr in einem finsteren Raume des Erdge­schosses zahlreiche Aktenpäckchen zu Tage, deren Aufschriften und Signaturen auf ein ehemals wohlgeordnetes Archiv schließen ließen. Bei einer weiteren Nachschau kamen in einem alten Kasten noch zahlreiche Handschriften zum Vorschein. Die Marktkommunevorstehung faßte auf eine Anregung des Landesarchivs hin den Beschluß, ihre Archivalien zur Ordnung an das Landesarchiv zu senden, das die Arbeiten im Jahre 1913 beendete. In der Sitzung vom 24. Oktober 1914 erklärte sich die Kommunalverwaltung Kirchdorf bereit, ihr Archiv gegen Vorbehalt des Eigentumes dem Landesarchiv zur Aufbewahrung zu übergeben. Das Kommunalarchiv umfaßt 85 Urkunden, 75 Faszikel Akten, 139 Handschriften und bildet im Verein mit dem Archiv der Sensen­werksgenossenschaft Kirchdorf-Micheldorf (Landesarchiv Linz) und den im Stiftsarchiv Schlierbach verwahrten ansehnlichen Beständen für einen Bearbeiter der Ortsgeschichte von Kirchdorf eine sehr reichhaltige, wertvolle Quelle. Wenige Marktflecken im Lande ob der Enns können auf eine so reiche, wechselvolle Geschichte zurückblicken, wie Kirchdorf. Im allum- spannenden Weltverkehr zieht heute der Schienenstrang den Weg ent­lang im Tale, wo einst vom Süden her über den Pyhrn die römischen Legionen ihre Schritte nach dem alten Ovilava (Wels) lenkten. Im Mittelalter zogen Kreuzfahrer und Pilgrime auf der alten Heerstraße *■) Jn Druck sind bisher erschienen: E. Straßmayr, Das Archiv der Markt- kommune Perg, 1909. Im Verlage der Marktkommune Perg. J. Nösslböek, Inventar des Marktkommunearehivs liokrbaek. Mitteilungen des k. k. Archivrates 1, 57 ff. (1913.)

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