Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Von Regierungsrat Dr. Karl Siegl: Aus dem Egerer Stadtarchive
72 Dr. Karl Siegl. legenheit dann auch seine Irrung mit den Herren von Sachsen in der Güte ausgetragen werden könnte. Siegler: Erzbischof Jakob von Trier. Pol. 72 a, b. 47. (1455, Juli ?) — Erwiderung der Botschaft Kaiser Friedrichs III. (IV.): »Uff das, so der von Trier und ander kurfursten Sendboten und rete unsern hern, dem Römischen keyser, in ein geschrift und verzeichnuß von Sachen wegen, das reich und sein keyserlich gnad antreffend, seiner keys, gnad geben (hat).« Die Botschaft bringt zur Kenntnis: der Kaiser verkenne nicht die gute Absicht und Meinung der Reichsfürsten, einigen von den ihm vorgelegten Artikeln müsse er aber seine Zustimmung versagen, da durch Genehmigung dieser Artikel die kaiserliche Gewalt geschmälert, und er sich »einer merklichen nachrede« der kommenden Herrscher aussetzen würde: er sei derjenige gewesen, der »sulch milberung, mynnerung und abnemung« der kaiserlichen Rechte herbeigeführt hätte. Anbelangend die Besetzung der Gerichte, so seien noch unter keinem Herrscher so viele Gerichte besetzt worden, wie unter ihm, er selbst habe auf eigene Kosten Kammerrichter bestellt und Rechtshändel, die schon zu Kaiser Siegmunds Zeiten anhängig waren, seien jetzt entschieden worden. Was den Frieden im Reiche betreffe, so habe er es sich seit seinem Regierungsantritte angelegen sein lassen, alle Kriege und Widerwärtigkeiten niederzulegen, er erinnere nur an das Schisma, um dessen Behebung er sich in eigener Person auf den Tagen zu Frankfurt und Nürnberg bemühte, an die Beilegung der Kriege der Kurfürsten und Reichsstädte, jener der Herren von Sachsen mit Brandenburg und mit Böhmen und des Krieges zwischen Soest und Cöln, und so wolle er auch allen Fleiß aufwenden, um einen drohenden Krieg zwischen König Ladislaw und den Herren von Sachsen und der Ungarn gegen die Österreicher zu verhindern, »alle kriege aber nach wünsch zu stillen«, sei nicht möglich; er habe auch alles getan, um »den Delphin auß dem land zu brengen« und in der Türkensache weder Mühe noch Kosten gespart; der Vorwurf, daß er nicht »hinuff kome in das reich und das sein gnad langst solt hinuff kommen sein«, sei in Anbetracht der Irrungen, die im eigenen Lande zu bekämpfen waren, gewiß unbegründet, sobald es möglich sei, werde sich der Kaiser ins Reich verfügen; unter Hinweis auf die Frankfurter Artikel ersuche der Kaiser die Reichsfürsten, »sulch furnemung gütlich fallen zu lassen« und ihm in allen Nöten »hilffe und beystant zu tun«, und er würde sich auch ihnen gegenüber erkenntlich zeigen. Ohne Datum. Pol. 73a bis 74 b. — Da sieh Kaiser Friedrich bis zum Jahr 1454 um das Reich wenig kümmerte, der Krieg zwischen König Ladislaw und Sachsen, was auch aus dem obigen Schreiben der Reiehsfürsten (Nr. 46) hervorgeht, im Juli 1455 zu beginnen drohte, dürfte das vorliegende Stück vielleicht noch in den Monat Juli 1455 zu setzen sein.