Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Von Regierungsrat Dr. Karl Siegl: Aus dem Egerer Stadtarchive

Aus dem Egerer Stadtarchive. 53 Welche große außlaagen und erlittene schaden eben in dießem jahr (1437) ihro Kay. May. Sigismundo, do er allhier lehen verliehen, wie nach­stehend zu leßen, vorgetragen und verrechnet worden, die stadt destwegen viel privilegiert, aber wenig ergötzt.« Ratschronik, Fol. 49b bis 51b (Sign.: G, 12). II. Aus einem Kopialbuche des Egerer Stadtarchivs. Außer den mit 1457 beginnenden Korrespondenz-Kopialbüchern, welche den Briefwechsel des Bats nach auswärts enthalten, besitzt unser Archiv auch mehrere Urkunden-Kopialbiicher aus dem 15. Jahrhundert mit zahlreichen Abschriften von Testamenten, Verträgen, Urfehdebriefen usw., mitunter auch von allgemein wichtigen Urkunden. Auf die Bedeutung eines dieser Bücher der letztgenannten Gruppe hat schon Prof. Dr. Franz Kürschner in seinem im XLII. Bande der Mitteilungen der kais. Akademie der Wissenschaften erschienenen Be­richte »Das Archiv der Stadt Eger« hingewiesen. Dieses Buch befaßt sich ausschließlich mit gemeinwichtigen Urkunden aus der Hussitenzeit, aus der Zeit Georgs von Podiebrad, K. Albrechts II., K. Friedrichs III. und auch mit einigen Beichstagsakten. Es lag ursprünglich nur in losen Bögen vor, wurde erst vor einigen Jahren mit einem dauerhaften Ein­bande versehen und besteht aus acht Lagen mit achtundachtzig Blättern in Folio, und zwar fünf Lagen zu zwölf, zwei zu je zehn und eine Lage mit acht Folien. Das erste und letzte Blatt sind unbeschrieben. Die einzelnen Abschriften sind nicht in zeitlicher Ordnung, sondern, wie eben der Kopist die Originale oder Gleichstücke zur Hand bekam, was auch bei anderen unseren Kopialbüchern der Fall ist, hintereinander ohne Zwischenräume eingetragen. So sauber und nett das ganze Buch geschrieben ist, so nahm sich der Schreiber bei einigen Urkunden doch nicht die Mühe, auch das Datum des Stückes mit beizufügen. Mit einem »Geben etc.« schließt er die Abschrift ab, und bei Sicherstellung der Ausstellung stößt man in­folge des Mangels einschlägiger Literatur bisweilen auf recht erhebliche Schwierigkeiten. Im ganzen weist das Kopiale nur zwei verschiedene, dabei sehr geübte Handschriften auf, die beide ihrem Charakter nach der ersten Hälfte und der Mitte des 15. Jahrhunderts angehören. Die erste Schrift von Folio 2 ab zeigt viele Ähnlichkeiten mit der Schrift des Egid (»Gilg«) Mulffer, der vom Jahre 1429 bis 1462 Stadtschreiber in Eger war. Mit Sicherheit läßt sich aber das nicht behaupten, weil von ihm sonst nur flüchtig geschriebene Konzepte mit Abkürzungen zur Ver­gleichung vorliegen. Mitten im Satze einer Urkunde vom Jahre 1434, auf Folio 40 a, bricht er (mit »und«) ab, eine zweite Hand setzt mit

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