Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Kleinere Mitteilungen - Prof. Georg Schmidt: Au westböhmischen Archiven. Zweiter Bericht

Kleinere Mitteilungen. 313 kommt und von diesem, ohne daß für ihn eine Mehrarbeit entsteht, in der angegebenen Weise bezeichnet wird. Zum mindesten eine wertvolle Vorarbeit wäre damit für jenen Zeitpunkt geleistet, in dem die Skar- tierung dieser Akten in Frage kommen wird. Klosterneuburg. Dr. Karl Gottfried Hügel mann. Aus westböhmischen Archiven. (Zweiter Bericht.1) Nach Aufnahmen in den Jahren 1914 und 1915.) 16. Hostau. A. Stadtarchiv. Die ehemals schutzuntertänige Stadt Hostau (Bezirkshauptmann­schaft Bischofteinitz) erhielt von Grundherren und Kaisern seit dem 15. Jahrhundert verschiedene Freiheiten und Rechte, deren Ur- und Abschriften noch jetzt größtenteils im Stadtarchiv erhalten sind. Während die Urkunden der Herren von Wolfstein und Kolowrat (15. Jahrhundert), der Herren von Rabenstein und Grafen von Guttenstein (16. Jahrhundert), auch noch die Ausfertigungen des neuen Besitzers (seit 1624) Protus Czernin von Chudenitz bis zum Jahre 1628 in tschechischer Sprache ab­gefaßt sind, werden sie schon 1630 deutsch. Auch aus den Weglaß­oder Geburtsbriefen, die hier in einer besonders großen Zahl (59) ver­treten sind, läßt sieh deutsche Zuwanderung aus Westböhmen (1613 von Robesgrün, Herrschaft Hartenberg; 1623 von Kleinsichdichfür; 1650 von der Bergstadt Schlaggenwald) und den angrenzenden Gebieten des Deut­schen Reiches (1614 von Cham und 1635 von Viechtach in der Ober­pfalz, 1637 aus Markleuten im Sechsämterlande) erkennen. An Zunft­sachen ist der Zunftbrief des Schusterhandwerks (1625) hervorzuheben. Unter den Akten der Stadtverwaltung ist der Spitalstiftsbrief (1800) beachtenswert. Nur spärlich sind Gerichtswesen und Kriegssachen vertreten; über kirchliche Angelegenheiten findet sich überhaupt nichts vor. Urkunden und Akten sind in einer verschließbaren Holztruhe in der Bürgermeisteramtskanzlei entsprechend aufbewahrt; ihr Erhaltungs­zustand ist bis auf einzelne Schäden gut. Der Stadtsekretär (derzeit Herr Johann Scharnagl) überwacht getreulich auch die Altsachen der Hostauer Stadtverwaltung. — Die neueste Darstellung der Schicksale Hostaus (Karl Liebsch er, Der politische Amtsbezirk Bischofteinitz, 1913, S. 471—479) benützt zwar die wichtigsten Urkunden, versagt aber voll­ständig. ’) S. Bd. I, S. 277 if. dieser Zeitschrift.

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