Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Dr. Franz Martin: Das gräflich Kuenburgsche Archiv im Langenhof zu Salzburg

Das gräflich Kuenburgsche Archiv im Langenhof zu Salzburg. Von Dr. Franz Martin. Die gräflich Kuenburgsche Grundherrschaft Langenhof oder, wie sie am Beginn des 19. Jahrhunderts genannt wurde, »Grafenau«, ver­dankt ihr Entstehen dem Erzbischof Max Gandolf Grafen Kuenburg (1668—1687), durch den es seinem Vetter1) Grafen Johann Josef er­möglicht wurde, für sich und seine Nachkommen ein Pideikommiß zu er­richten. Das Instrument ist vom 24. April 1683 datiert* 2) und von Franz Ferdinand Grafen Kuenburg, Domherrn von Salzburg und Passau usw., und seinem Bruder, dem genannten Johann Josef ausgestellt; zum Fidei- kommiß gehörige Güter sind die Herrschaft Jungwoschitz samt den Herrschaften Zisbiczow und Miltschin in Böhmen, ferner in Salzburg der »neuerbaute Kuenburgische Hof in der Kirchgassen«, eine Behausung am Marktplatz, der adelige Sitz Aigen, der Hof Grafenau (Frohnburg) und noch einige Güter. Das Fideikommiß sollte in erster Linie Johann Josef und seiner Deszendenz zugute kommen. Die Gründung des Fidei­kommisses war zwar von K. Leopold I. erlaubt worden3); eine Bestätigung aber scheint unterblieben zu sein, weshalb es in der Familie nur als ein »Vorstatut« angesehen wird. Daher mag es auch kommen, daß, als dieses Fideikommiß, dessen Güter mittlerweile bedeutend vermehrt worden waren, 1719 eine Teilung in ein »böhmisches« und in ein »salzburgi- sches« erfuhr, in den beiden neuen Fideikommiß-Instrumenten, deren Aussteller Franz Ferdinand, nunmehr Erzbischof von Prag (für das böhmische vom 11. Februar 1719) und Johann Josef (für das salzburgische vom 12. April 1719) waren, die Tatsache, daß schon 1683 ein Fidei­kommiß aufgerichtet wurde, mit keinem Worte erwähnt wird. Das salz­burgische Fideikommiß sollte dem Instrument zufolge »dem böhmischen Fidei-Commisso in Augmentum kommen . . . , auch mit solchen auf Form, Weis und Ordnung, wie es in der über die böhmischen Güter ') Über die Verwandtschaft vgl. den Artikel Kuenburg bei Wurzbach, Bio­graphisches Lexikon, Bd. XIII, S. 318, mit Stammtafel. 2) Beglaubigte Kopie Landesregierungsarchiv Salzburg: Generalkreiskommissariat Salzburg 40. 3) Vgl. Urkunde Nr. 189.

Next

/
Oldalképek
Tartalom