Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Literatur und Notizen
Literatur. 307 iudiciorum capturalium, Libri vicepalatinales usw., welche auch vom Autor beschrieben werden. Mit einer Geschichte des Lemberger Landesarchivs seit der österreichischen Okkupation samt einer tabellarischen Übersicht seines Materials endet das Werk, für welches die Geschichtsforschung und namentlich alle jene, welche auf die Benützung des Lemberger Landesarchivs angewiesen sind, dem Autor sehr dankbar sein werden. Durch klare Darstellung und systematische Anordnung des Stoffes wird nicht nur manchem Historiker viel Mühe und unnütze Arbeit erspart, sondern es wird auch der Archivwissenschaft ein wertvolles vergleichendes Material geboten. Prag. Landesarchivar J. Novák. Gust. Andr. Eessel, Das Archiv der Bäckergenossenschaft in Wien. Ein Beitrag zur Geschichte des Wiener Handwerkes. Herausgegeben von der Wiener Bäckergenossensehaft. Wien, Gerlach & Wiedling, 1913. LXXXVII, 154 S, 4 Tafeln. Das Buch bringt in gewisser Beziehung mehr, als sein Titel verspricht. Voraus geht eine ausführliche historische Einleitung, keine Geschichte des Bäckerhandwerkes in Wien, mehr eine Paraphrase des später verzeichneten Quellenstoffes, mit Verzicht, ihn in die allgemeine städtische und Wirtschaftsentwicklung einzufügen; aber sie erfüllt den Zweck, Wichtiges aus der Masse des Materials herauszuheben, dieses nach Hauptgesichtspunkten zu gliedern und so einer geschichtlichen Darstellung im eigentlichen Sinne vorzuarbeiten; ferner mag dadurch der Hauptgegenstand des Buches, das ja aueh für ein größeres Publikum, namentlich aus den beruflich interessierten Kreisen, bestimmt ist, diesem nähergebracht und bis zu einem gewissen Grade erschlossen werden. An Hand der Quellen wird abschnittweise über den Gewerbebetrieb und dessen Erzeugnisse gehandelt, über die Innung (seit 1278 nachweisbar) und ihre Organe, das Verhältnis von Meistern und Gesellen, über Bräuche und Traditionen des Handwerks; mit löblicher Freiheit von lokalem und Zunftpatriotismus wird dabei Sagenhaftes ausgesehieden und namentlich die Bolle der Bäcker bei den Türkenbelagerungen ihres legendären Schmuckes entkleidet. Als Beilage zu der Einleitung wird eine Beihe von Archivalien, meist aus dem Archive der Stadt Wien und dem des Ministeriums des Innern, teils vollständig, teils im Auszug, mitgeteilt, landesfürstliche Privilegien und Handwerksordnungen, von Interesse darunter auch ein Protokoll über Backproben (zur Feststellung des richtigen Gewichtes der Backwaren) aus dem Jahre 1443. Mit Beeht kann somit der Herausgeber darauf hinweisen, daß in seinem Buche das wichtigste Quellenmaterial zur Geschichte des Wiener Bäekergewerbes vereinigt ist. Die Verzeichnung der Archivalien erfolgt nach bewährtem Schema in den drei Gruppen der Urkunden. Bücher und Akten. Dagegen, daß mehrere Zunftordnungen u. dgl. aus praktischen Gründen in die erste Kategorie eingereiht werden, ist aueh von prinzipiellen Gesichtspunkten aus nichts einzuwenden, denn ihrem rechtlichen Inhalt nach sind diese Stücke Urkunden oder stehen diesen wenigstens sehr nahe, wenn sie auch archivtechnisch nicht zu ihnen gerechnet zu werden pflegen. Hingegen gehören Abschriften von Privilegien, auch wenn das Original vorhanden ist, nicht unter die