Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Literatur und Notizen
308 Literatur. Akten, wie denn auch der Bearbeiter Kopien, deren Original das Arehiv nickt besitzt, unter die Urkunden eingereiht hat. Die Akten, mit 1572 einsetzend und chronologisch geordnet, sind etwas stiefmütterlich behandelt; von einer Reihe von Kartons, mehrere tausend Stücke enthaltend, erfahren wir überhaupt nur den Zeitraum, den sie umfassen. Bei den Urkunden wäre die Beigabe von Kopfregesten erwünscht. Unter den Urkunden nehmen die von der Mitte des 15. Jahrhunderts an zahlreich vorhandenen Ordnungen für die Zunft als solche wie für die Gesellen und Lehrlinge den breitesten Raum ein; sie lassen durch ihre kontinuierliche Reihe gut die Entwicklung des Gewerbes erkennen und sind namentlich durch die Bestimmungen über das Verhältnis von Meister und Gesellen von Wert für die städtische Sozialgeschichte. Interesse können auch die von auswärtigen Meistern oder Innungen ausgestellten Lehrbriefe beanspruchen, die zeigen, wie die Hauptstadt das Ziel vieler Gesellen war, die sich dann dauernd hier niederließen. Von den Handschriften heben wir hervor das Zechbuch, von 1572 an geführt, mit biographischen Daten von Funktionären der Zunft und Aufzeichnungen über Denkwürdigkeiten des Gewerbes, ein Aufding- und Freisprechbuch, ein Protokollbuch über sämtliche seit 1452 erlassene, auf das Bäckergewerbe bezügliche Privilegien und Verordnungen, ferner die Handwerksprotokolle mit den Verhandlungen und Beschlüssen der Zunft und Bücher der Bäckerbruderschaft; nicht unwichtig für eine lokale Preisstatistik sind die seit 1572 fast vollständig erhaltenen Rechnungsbücher. An die Verzeichnung des Archivs schließt sich eine Beschreibung der Schaustücke (Fahnen, Zunftladen, Siegel, Medaillen usw.) und ein Sach- und Namenregister. Die Bäekergenossenschaft hat durch Herausgabe dieser auch hübsch ausgestatteten Publikation einen bemerkenswerten historischen Sinn bekundet und im Verein mit dem Bearbeiter, der zugleich Verwalter des Archivs ist, ein Beispiel gegeben, das in verwandten Kreisen recht vielseitige Nachahmung verdient. Wien. F. Grüner. G. Schmid, Urkunden und Aktenregesten aus dem Dekanatsarchiv Stilfes vom Jahre 1300 bis 1810. Innsbruck, Wagner, 8°, IX und 261 S. Der Pfarrer des Dorfes Stilfes bei Sterzing, Dr. Georg Schmid, hat das verhältnismäßig reiche Archiv seiner Kirche neu gebaut, geordnet und veröffentlicht nun die Archivbestände bis einschließlich 1809 in ausführlichen Auszügen, ein Zeugnis begeisterter und opferwilliger Liebe für die historischen Denkmäler seiner Pfründe, welche alle Anerkennung verdient und von welcher man nur wünschen möchte, daß sie sich allerorten fände. Der erste Teil des Buches enthält unter dem Titel »Topographische Regesten« geschichtliche Notizen über die einst zum Dekanat Stilfes gehörigen Orte und Kirchen. Da außer zwei Visitationsprotokollen von 1653 und 1834 nur zufällig zur Hand befindliche Quellen, darunter vielfach mündliche oder recht trübe schriftliche Tradition herangezogen sind, kann uns dieser Abschnitt kaum fördern. Der zweite Teil, »Historische Regesten«, wird mit einer Serie der Pfarrer seit 1214 (auf Grund einer späten Chronik) eröffnet, an welche sich dann unvermittelt Regesten der im Pfarrarchiv vorhandenen Urkunden und Akten von 1300 bis 1809 anschließen, unter