Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Literatur und Notizen

Literatur. 305 Bis dahin ist jedoch noch ein weiter Weg und unterdessen werden sich Herausgeber und Bearbeiter der »Archivalien« durch die Früchte, die ihr Werk für die österreichische Geschichtswissenschaft tragen wird, reichlich für ihre Mühe belohnt sehen. Wien. F. Grüner. Martin Wutte, Das Archiv des Geschichtsvereines für Kärnten. Oarinthia I. 1913, 103. Jahrg. (Festschrift zu Ehren des Landes­archivars Dr. August K. v. Jaksch), S. 52 bis 81. Das Werden und der heutige Bestand eines der eigenartigsten öster­reichischen Archive werden hier von berufener Seite zum erstenmal einem weiteren Kreise vorgeführt. An der Wiege des Kärntner Geschichtsvereines und seines Archivs steht — wie bei so vielen Schöpfungen Innerösterreichs — die Gestalt Erzherzog Johanns. Als eigentlicher Gründer des Archivs erscheint Freiherr v. Ankershofen ; die Eeihe der Männer, die seine Entwick­lung vornehmlich gefördert haben, führt über Fresacher und Baron Hauser zu August v. Jaksch, durch dessen im Jahre 1882 erfolgte Bestellung zum Archivar nun dauernd eine Kraft von voller wissenschaftlicher und fachlicher Eignung für das Archiv gewonnen war; das bedeutet einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte dieser Anstalt. War bisher die Tätigkeit des Vereines ungeachtet mancher Anläufe zu Ordnungsarbeiten doch eine vor­wiegend sammelnde gewesen, so trat nun die organisatorische Arbeit in den Vordergrund, so daß das Archiv trotz der sehr bedeutenden Zuwächse, die es auch in den letzten drei Jahrzehnten aufgenommen hat, heute zu den best­geordneten in Österreich gehört. Die Bestände sind in die zwei Hauptgruppen der allgemeinen Samm­lungen und der Einzelarchive gegliedert; jene umfassen vor allem die sehr beträchtliche Zahl der Urkunden, teils Eigentum des Vereines, teils deponiert, dann historische und Verwaltungsbücher, eine Eeihe von kleineren Akten­beständen (das sogenannte Sammelarchiv) und das Selekt der Patente. Einzeln aufgestellt und katalogisiert sind jene größeren Archive, die der Verein als Ganzes übernommen hat. Mit Bemerkungen über ihre früheren Schicksale und Angabe der über sie etwa vorhandenen Literatur wird hier ein schätzens­werter Führer durch diesen Teil des Archivs geboten. Zur Charakteristik des reichen und verschiedenartigen Inhalts seien einige der namhaftesten Bestände herausgegriffen. Man findet da Archivalien von Kärntner staatlichen Behörden (Landesregierung, Landesgericht, Finanzbehörden), Teile, beziehungsweise Beste der Klosterarchive von Arnoldstein, Ossiach, Viktring, die zumeist nur durch die Wachsamkeit des GesehichtsVereines vor gänzlicher Vernichtung bewahrt wurden, einen umfangreichen Bestand des Bamberger Vizedom­archivs, Stadt- und Gemeindearchive usw. Der Besitz all dieser Einzelbestände macht das Archiv so recht zu einer Anstalt sui generis: die Sammlung eines privaten Vereines, die Material so verschiedener staatlicher, autonomer und kirchlicher Provenienz vereinigt. Es ist dies vom archivalischen Standpunkt und besonders von dem des Staates gewiß kein idealer Zustand, aber dem Geschichtsverein für Kärnten kann die wissenschaftliche Forschung und können namentlich alle Faktoren, deren Archivalien er — ganz überwiegend mit eigenen Mitteln! — gesammelt hat und nun so sorgsam behütet, für seine T ätigkeit nur dankbar sein; denn er hat geleistet und leistet fortdauernd das,

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