Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Kleinere Mitteilungen
Kleinere Mitteilungen. Über Bücher und Bibliotheken im alten Ragusa. Wenn ich es unternehme, einige Notizen zu diesem Thema beizutragen, so muß ich vorausschicken, daß ich da auf bereits betretenem Pfade wandle und den Spuren eines Größeren folge. Der Altmeister der ragusa- nischen Geschichtsforschung, K. Jirecek, hat, wie in vielen anderen Zweigen, auch hier bahnbrechend gearbeitet. In seiner wertvollen Materialiensammlung »Beiträge zur ragusanischen Literaturgeschichte« 1), S. 425 bis 436, S. 455 und a. a. 0. sowie in der Monographie »Der ragusa- nische Dichter Sisko Mencetic«2), S. 50, hat er aus dem k. k. Archiv in Bagusa zahlreiche Nachrichten über Bibliotheken und Buchdrucker zusammengestellt. Die folgenden Nachträge dürften schon deshalb nicht unangebracht sein, weil hier das non inulta sed multum nicht gilt, sondern jeder neue Beitrag im Rahmen des Ganzen von Wert sein kann. Im 15. und im 16. Jahrhundert, in welchen sich die folgenden Beiträge größtenteils bewegen, blühte in Ragusa ein reiches Geistesleben. Besonders die Literatur fand eifrige Pflege, daneben auch die Kunst, für welche die Jahre 1436 bis 1530 den Höhepunkt bezeichnen, und die Wissenschaft. Das mächtig aufstrebende geistige Leben des Rinascimento in Italien spiegelte sich in dem entfernten Ragusa wider. Es ist daher natürlich, daß die geistig hochstehenden Männer, die sich mit Wissenschaft und Kunst beschäftigten, mit Eifer daran gingen, einen möglichst großen Bücherschatz zu sammeln, um ihren Lieblingsstudien leichter nachgehen zu können. K. Jirecek hat mit großem Fleiße die Nachrichten zusammengetragen, die sich in Testamenten, Verträgen, Ratsbeschlüssen und Prozessen fanden. Ich möchte noch auf eine andere Art von Quellen hin- weisen, die für die Kulturgeschichte, insbesondere für die Folkloristik von Wert sind, nämlich die Inventare, die meist nach dem Tode eines vermögenderen Nobili oder Bürgers von seiner fahrenden Habe aufgenommen wurden. Die deutsche Geschichtsforschung hat ihre Bedeutung- schön lange erkannt und ist daran geschritten, die älteren zu veröffent- *) *) Archiv für slawische Philologie. XXI, S. 399 bis 512. *) Ebenda. XIX.