Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Kleinere Mitteilungen
Kleinere Mitteilungen. 271 liehen. Für Bagusa ist das bisher noch nicht geschehen, obwohl sieh hier weit ältere (vom 14. Jahrhundert) und interessantere vorfinden. Sie geben ein anschauliches Bild von dem Wohlstand, dem Geschmack und der häuslichen Einrichtung der oberen und mittleren Schichten der Bevölkerung in Bagusa während des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit. Im 14. Jahrhundert sind die Nachrichten über Bücher und Bibliotheken spärlich. Nicht, daß es keine gegeben hätte, aber das Verständnis für sie war noch nicht geweckt, man erachtete es nicht für notwendig, sie genau aufzuzählen, sondern man begnügte sich, wie im Testamente des Marcho, filio de Felise de Grede vom Jahre 13481) anzuführen, daß er seinen Erben »livri« hinterlasse. Im 15. Jahrhundert wird es besser, die Bücher werden oft einzeln angeführt mit Angabe ihrer Titel. Am 28. Mai 14422) bestätigt Frater Nicolaus de Latina ordinis Carmilitarum de Mesana, 18 in einem Inventar aufgezählte Bücher aus dem Nachlaß der Antonia, Gattin des Notars Jacobus de Percho, erhalten zu haben. Darunter werden genannt »unum librum nominatum lo secondo de Seneca, unum librum nominatum de consolatione medicinarum, unum librum de papiro Gulielmi cum quibusdam receptis« usw. Wie man weiters sieht, waren es meist Werke medizinischen Inhalts. Fünf davon verkaufte er am nächsten Tage noch in Bagusa. Aus dem Inventar der Hinterlassenschaft des Presbyter Andreas de Drincassio vom 29. Jänner 14673) kennen wir elf Bücher, meist theologischen Inhalts, aber auch andere, wie »unus liber vocabulorum intitulatus bone pater in carta edina incipiens: in nomime Christi amen« oder »una pars libri Boetii de consolatione«. Sie alle wurden öffentlich versteigert, mit Ausnahme des erstgenannten Wörterbuches, das den Procuratores S. Mariae übergeben wurde. Iu dem Inventar nach dem Ser Nicolaus Pauli de Gondola vom 21. Jänner 14694) werden 16 Bücher genannt, darunter ein »liber quinti Curtii Buffi«, ein Virgil, ein Boetius »de consolatione« in Pergament, ein »Codex in littera beneventana«, ein weiterer Boetius »de scholarum disciplina«, ein »Extractus de libris Alberti Theutonici fratris-predica- torum«, ferner ein »Statutum Bagusinum« u. a. Das Inventar nach Antonius Pribissalich vom 25. Juli 14695) verzeichnet »4 libri in schiavo«. Nach dem Tode eines Zivolinus speciarius wurde am 12. Februar 1484°) von seinem Trödlerladen ein Inventar aufgenommen, das ') Testamenta Notariae. 1348 bis 1365, f. 97 vom 18. Juni. '-) Diversa Cancellaria. 1442, f. 115. 3) Diversa Notariae. 1465 bis 1467, f. 116. 4) Diversa Notariae. 1468 bis 1469, f. 148. 5) Ebenda, f. 194. °) Diversa Cancellaria. 1483 bis 1485, f. 4.