Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Friedrich Schneller: Zum Archivwesen in Italienisch-Tirol

Archivwesen in Italieniseh-Tirol. 223 geschehen. Es herrscht zwar, wie ich mich noch vor etwa zwei Jahr­zehnten in verschiedenen Kirchen- und Gém eindearchiven selbst über­zeugen konnte, meist nicht förmliche Unordnung. Besonders gilt dies von den ersteren, wo noch leise nachwirkt, was Tovazzi und andere getan. Aber von einer dem modernen Archivwesen entsprechenden An­ordnung darf freilich zumeist nicht gesprochen werden und gar übel sieht es in den meisten Gemeindearchiven aus. Bereits im ersten Jahrgang des »Archivio Trentino« ermahnte L. Campi1), der tüchtige Archäologe, den Klerus, er möge die Kirchenarchive in besserer Ordnung halten. Aber noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit, im Jahre 1908* 2), wurde eine derartige Aufforderung von der gleichen Zeitschrift und besonders hinsichtlich der Gemeindearchive erlassen, ein deutliches Zeichen, daß auch jetzt noch vieles fehlt. Dr. Böhms Anweisung zur Ordnung der Kirchenarchive wurde kürzlich auch ins Italienische3) übersetzt. Wenn auch in jüngerer Zeit einzelne Archive von kundiger Hand geordnet wurden — es sei in dieser Hinsicht das Kirchenarchiv von Arco4 5) besonders erwähnt — wenn auch z. B. den Handschriften in den Stadtbibliotheken von Trient und Eovereto die ihnen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird, wenn auch von mehr oder minder gelingenden Versuchen zur Ordnung von größeren Gemeindearchiven, wie z. B. von jenem in Mezolombardo6) gesprochen wird, so liegt immer noch die Sache im allgemeinen sehr im argen; sind sogar Archive, wie jenes des Kapitels in Trient, das noch dazu sehr mangelhaft unterge­bracht ist, oder die zwei Notariatsarchive, die 1904 in Trient und Eovereto6) eröffnet wurden, einer durchgreifenden Neuordnung sehr bedürftig und, um nur ein einziges treffendes Beispiel anzuführen, sei noch auf das Gemeindearchiv von Eiva hingewiesen. Dasselbe war in der Tovazzischen Periode geordnet und mit einem guten Eepertorium ausgestattet wmrden. Später aber geriet alles in heillose Unordnung, manches ging wohl auch verloren und auch die wiederholten, in neuerer ‘) Campi L., Gli Archivi delle Canonieke. Areh. Trent. I, 1882, S. 261. •) Per gli Archivi del Trentino. Ebenda. XXIII, 1908, S. 125. 3) Böhm C.-Cic colin i G., Gli archivi parrochiali. Cenni sul modo di ordi­narii. San Yigilio. Trient 1912. 4) Es geschah vor etwa zehn Jahren durch den damaligen Erzpriester Mons. J. M. Chini, welcher auch dafür sorgte, daß die Pergamenturkunden, soweit sie feucht waren, entsprechend getrocknet wurden. 5) Vgl. Pro Cultura I (1910), S. 138, wo berichtet wird, daß der Gemeinderat von Mezolombardo eine Summe von 500 K für die Ordnung des Archivs bestimmt habe. Dieselbe sollte durch D. Reich und G. degli Alberti d’ Enno erfolgen. 6) Vgl. über diese Archive: Arch. Trent. XIX (1904), S. 265; Pro Cultura I (1910p, S. 287. Atti deli’ i. r. Aecad. d. Agiati, Ser. III., Vol. X, S. LXVII.

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