Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Dritte Folge, 1914)
Major Paldus: Zwischen Elbe und Riesengebirge. Die Kämpfe der 2. leichten Division in Böhmen 1813
92 Pal dús. ausliolende Abteilung der gegen Gabel vordringenden Hauptkolonne oder eine des Weichselregiments aus Grottau handelte, ist nicht feststellbar, ebensowenig, wohin die ursprünglich bei Lämberg als Flankenschutz und zur Verbindung mit Pankraz aufgestellte Eskadron des Obstl. Blankenstein geraten war. Die Angriffe gegen beide Flanken waren nur die Einleitung zur Vorrückung stärkerer Massen, die sich inzwischen auf dem Hutberg gesammelt hatten. N e i p p e r g ließ sie herankommen, bis sie in wirksamen Geschützertrag eintraten. Hierauf schwenkten die Heiter ab und demaskierten die Batterie, deren erste Decharge bereits eine so gute Wirkung äußerte, daß die Feinde hinter die nächste deckende Höhe zurückfluteten. Bald erschienen aber auf dieser sechs Geschütze und, als sich die Österreicher aus deren Feuer zurückzuziehen begannen, in rascher Folge neue Truppen, so daß als ausgezeichnete Schützen bewährten. So mancher tapfere Pole stürzte tödlich getroffen vom Blei und die Stellung war von den Leichen des Feindes besät. Oberjäger Schössel leitete mit Klugheit und Ausdauer das mörderische Gefecht, durch seine Kaltblütigkeit den Mut und die Tapferkeit seiner Jäger beseelend. Unterjäger Burggasser, Patrouilleführer Schindler und Jäger Schwem m e r zeichneten sich aus und alle leisteten ihr Möglichstes. Ganz besonders war auch das Verhalten des Patrouilleführers Johann R eiding er. Stets einer der Kühnsten, wurde er schon in der ersten Stunde des Kampfes durch einen Schuß in den Schenkel blessiert. Trotz des starken Blutverlustes und der dadurch eintretenden Schwäche, die kleine Schar seiner Kriegskameraden überschauend, hielt er standhaft im feindlichen Kugelregen bis zum Schlüsse des heißen Tages aus. Da er aus Schwäche nicht mehr stehen konnte, feuerte er in sitzender Stellung, die ansonsten einem Jäger nicht zusteht, und er schoß meisterhaft. Als endlich sich der "Widerstand der Jäger endete und ihre Aufgabe erfüllt war, wurde Reidinger kraftlos und halbtot von seinen Kameraden weggesclüeppt und einem in der Nähe wohnenden Bauer zur Pflege übergeben. Durch dieses tapfere Benehmen des Oberjägers Schössel und seines Zuges wurde der Feind gehindert, aus dem Engpässe vorzubrechen, die Stellung der Kompagnie zu umgehen, und dadurch dieselbe, vielleicht auch die zurückgehende eigene Truppe vor Kriegsgefangenschaft bewahrt.” Oberjäger Schössel aus dem Elsaß, 49 Jahre alt, verheiratet, diente 21 Jahre. Er und Unterjäger Reidinger erhielten die silberne Tapferkeitsmedaille. (K. A., H. K. R. 1815, M 1, 25/84, Nr. 49.