Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

90 Jacub enz. und Grünne1) und andere dieses Gelichters, noch immer allmächtig? Und denkt denn auch jetzt, auch in diesem ver­zweifelten Moment, noch immer Niemand daran, Sie wieder zu consultieren ? Über alle diese wichtigen Fragen müssen Sie mir — ich bitte Sie darum bei allem was Ihnen heilig ist — befriedigende Aufschlüsse geben. Wenn jetzt nicht große Energie mit tiefer Weisheit gepaart, unser Staatsruder führen, wenn solche Stümper wie z. B. der Oberburggraf"') in Prag, auch in Wien noch die Geschäfte leiten, so erleben wir den künftigen Sommer nicht. Di meliora piis ! Ich muß nun auch noch ein Paar Worte über meine Privatangelegenheiten sagen. Ich hatte das bestimmte Ver­sprechen, gegen die Mitte des Oktobers eine Summe Geldes aus England zu bekommen, die zur Bezahlung meiner, im Grunde nicht sehr beträchtlichen Schulden in Wien, über und über hinreichend gewesen wäre. Ich freute mich nicht wenig darauf, Jedermann ehrlich befriedigen, Sie von allen Sorgen und Belästigungen entbinden, und meine Bibliothek, nach welcher ich mich herzlich sehne, auslösen zu können. Dieser ganze Plan ist nun wieder zerstört. Wir sind jetzt von England fast eben so sehr als von Ostindien ge­trennt; alle Wege sind verschlossen, jede Korrespondenz un­möglich. Unterbleiben wird darum das Arrangement nicht; aber in eine Stockung, deren Ende nur Gott bekannt ist, *) *) Philipp Ferdinand Wilhelm Graf Grünne, gehören 1762, diente seit 1782 in der kaiserlichen Armee mid war als Oberstleutnant während der Feldzüge 1796 und 1797 Generaladjutant desErzherzogsKarl. 1798 zum Oberst und Kegimentskommandanten, 1800 zum Generalmajor ernannt, erhielt er als solcher für sein hervorragendes Verhalten bei Kempten (10. Mai 1800) das Kitterkreuz des Maria Theresien-Ordens. 1801 wurde er in das Kriegsministerium eingeteilt und war dort der Vertrauensmann des Erzherzogs K arl; 1808 avan­cierte er zum Feldmarschalleutnant, trat 1809 zugleich mit dem Erz­herzog zurück, blieb aber als Obersthofmeister auch weiterhin an dessen Seite. 1827 wurde Graf Grünne noch General der Kavallerie, 1836 Ge­heimer Kat, trat nach dem Tode des Erzherzogs Karl 1847 in den Ruhestand und starb in Wien 1854. Grünne war ein gebildeter, erfahrener Offizier und dem Erz­herzog treu ergeben. 2) Josei Graf W all is, der nachmalige Finanzminister.

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