Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gents und Fasbender. 89 mit denen ich sämtlich vielfältig und lang und breit con- ferierte, haben mir den Zustand der Armee im Ganzen sehr vortheilhaft geschildert; aber durchaus nur Eine Stimme ist darüber, daß der Erzherzog Karl das größte und mächtigste Hindernis alles Guten ist1). Wie wäre diesem Hauptunglücke abzuhelfen? Was treibt denn der Erzherzog Johann? Seine Gesinnungen, das weiß ich, sind nach wie vor preiswürdig. Aber wie steht es mit seinem Muth? Wie mit seinem Einfluß? Und wie mit seinem Verhältnis gegen den Erzherzog K arl? Vermag er denn nichts über diesen ? Sind denn die C o 11 o r e d o 2) tapferes Verhalten bei Kaiserslautern 1794 mit dem Orden pour lemérite ausgezeichnet. 1795 trat er als Rittmeister in die österreichische Armee, war 1801 Oberst des 1.Ulanenregiments undl807 Generalmajor. VorBeginn des Krieges 1809 wurde er nach London gesendet, um mit der englischen Regierung wegen der Subsidien zu unterhandeln; von dort kehrte er rasch zurück und konnte noch an der Schlacht bei Wagram teilnehmen, in der er sich durch hervorragende Tapferkeit das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens erwarb. Im August 1809 zum Feldmarschall­leutnant ernannt, trat er 1812 mit Bewilligung des Kaisers zuerst in englische, dann in russische Dienste und übernahm hierauf (1813) das Kommando der im nördlichen Deutschland gegen Frankreich operieren­den leichten Truppen. Er kämpfte dort mit Erfolg, indem er die Aktionen Davouts zu lähmen wußte. 1815 wurde er wieder in österreichische Dienste übernommen, avancierte 1838 zum General der Kavallerie und diente in Italien; 1848 trat er in den Ruhestand und starb 1862. W all m öden hatte den Ruf eines besonders tüchtigen Parteigängers. ') Damit ist die entschieden ablehnende Haltung des Erzherzogs gegen den Beitritt Österreichs zur preußisch-russischen Koalition gemeint. Die Beweggründe hiefür treten aus dem Vortrage Stadions an den Kaiser vom 24. September 1806 (Beilage) deutlich hervor, in dem es unter anderem heißt, daß es unmöglich sei, „Krieg an der Seite höchst unverläßlicher Bundesgenossen zu beginnen, die es gewiß nicht unter­ließen, bei passender Gelegenheit einen Separatfrieden zu schließen, der uns dann wieder allein der französischen Übermacht preisgeben würde”. (H. H. und St. A.) Erzherzog Karl begründete aber seine Ansicht auch damit, „daß Napoleon keinen andern Entschluß fassen könne, als den Krieg in das Innere der Monarchie zu spielen; daß Rußland außer Stande sei, Napoleons Kräfte zu fesseln, ihm auf der Ferse zu folgen und Österreich zu retten, wenn es eine Schlacht inmitten seiner Ressourcen verlieren sollte”. 2) Josef Graf Colloredo war damals Oberst und General­adjutant des Erzherzogs Karl; er wurde 1808 zum Generalmajor er­em annt, trat 1810 aus der Aktivität und starb 1815.

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