Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. 87 partout. Cette responsabilité est si effrayante, que je choisi- rais la mórt, plutőt que de m’en charger.” Dies ist meine innigste Überzeugung. Das bloße Nach­denken über die jetzige Lage der Dinge, ist hinreichend, um einem Menschen, der Sinn für öffentliches Wohl und öffentliches Elend hat, den Verstand zu rauben. Unterdessen bleibt es, nach wie vor, heilige Pflicht, bis auf den letzten Augenblick die große Sache des gemeinen Wohls nicht auf­zugeben und alles, was diese entsetzliche Krisis uns noch von Kopf und Entschlossenheit übrig ließ, aufzubieten, um dem gänzlichen Untergange zu entrinnen. Ich bitte und beschwöre Sie daher, mir vor allen Dingen Ihre eigene Idee, aber auch soviel als Sie nur irgend von den Planen und Entschließungen des Hofes wissen oder ver- muthen können, recht bald und recht vollständig mitzutheilen. Es wird Ihnen an Mitteln und Wegen, mir zu schreiben, gewiß nicht fehlen ; durch die Militärbehörden werden Sie es ohne allen Anstand thun können und überhaupt wird ja heute wohl niemand mehr ein Ärgernis daran nehmen, wenn Männer, wie Sie und ich, uns über die öffentlichen Angelegenheiten besprechen. Ich fürchte, das Cabinet weiß selbst nicht, was es eigentlich thun will. Gäbe es eine Möglichkeit, Österreich durch Aufrechthaltung einer unbedingten Kühe und Neutralität zu retten, so stimme ich, unter den jetzigen Umständen, un­bedenklich für diese *). Denn rund um uns her gibt es nichts mehr, was der Mühe wert wäre, gehalten zu werden. Wir allein werden Europa nicht aus dem Grabe wieder erwecken. Die große Frage ist nur, wie Österreich bestehen soll, wenn alles fällt und besonders, wenn Polen wieder aufsteht. Wenn Sie es für möglich halten, so protestiere ich gegen allen Krieg. Aber gesetzt nun, dieser würde unvermeidlich, was sind Ihre Hoffnungen? Alles, was ich in den letzten Wochen von ver­ständigen Männern gesehen und gesprochen habe, Klenau3), * 2 ’) Die Bemerkung ist insofern beachtenswert, als sie dartut, daß Gentz sich schon 1806 unter gewissen Umständen mit dem Ge­danken „unbedingter Buhe und Neutralität” vertraut gemacht hatte, den er dann seit 1809 mit Nachdruck vertrat. 2) Johann Graf Klenau, geboren 1757, war damals Feld- marschalleutnant und Divisionär in Prag. Er wurde 1,805 bei Ulm mit

Next

/
Oldalképek
Tartalom