Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
86 J a c b e n z. bereitet. Daß aber die Preußische Armee nicht blos total, sondern auch schändlich geschlagen, daß sie einen Rückzug machen würde, der alles, was bisher an Schmach und Verderben vorgekommen war, in sich vereinigt und weit hinter sich zurückgelassen hat; daß von dieser prachtvollen Armee von 150.000 Mann, nicht Ein Mann, nicht Eine Fahne, nicht Eine Kanone gerettet werden sollte; daß in 14 Tagen die Franzosen nicht blos Dresden, Berlin und die Elbe, sondern Stettin, Cüstrin und die Oder beherrschen sollten, daß dem Könige von Preußen am 1. November nur höchstens noch 30.000 Mann und eine einzige, armselige Provinz übrig bleiben könnte, — auf solche unerhörte, unglaubliche Katastrophen war ich nicht vorbereitet. Wie es heute mit uns allen steht, darf ich Ihnen, der Sie die Sachen mit großem und klarem Blicke überschauen und den Zustand in dem wir uns befinden, als ein hochkompetenter Richter beurteilen, nicht sagen. Die Proklamation, welche die Wiederherstellung Polens ankündigt, ist hinreichend, um uns unser Schicksal bekannt zu machen. Preussen steht nicht wieder auf. Rußland kämpft heute schon — wenn es noch kämpfe — für seine eigene, unmittelbare Existenz. Alles übrige ist gefallen, todt und ab. Oesterreich hebt also noch sein einsames Haupt, mitten unter schrecklichen Ruinen, empor; einen brennenden Vulkan hinter sich, vor sich die Sintflut einer alleszerstörenden Übermacht, ohne Stütze, ohne Alliierten — es gibt deren keine mehr — auf allen Seiten von Verderben umringt. Halten Sie es für möglich, daß es seine kümmerliche Existenz auch nur Ein Jahr noch fristete ? . . Dahin sind wir gekommen, weil Regierungen und Völker, 15 fürchterliche Jahre hindurch, gegen alle Warnungen taub, gegen die Stimme ihrer wenigen wahren Freunde verschlossen und ganz jener verhängnisvollen Blindheit, die allemal dem Fall vorangeht, hingegeben waren! Was heute noch zu thun sei, ist ein Problem, das nicht blos meine, sondern, wie ich glaube, alle menschlichen Fähigkeiten übersteigt. Ich schrieb vor 8 Tagen an Graf Stadion: ,,Je trouve, que le sort le plus malheureux est aujourd’hui, célúi d’un Ministre, condamné á donner des conseils; car de quelque cőtó qu’on se tourne, l’abime est ouvert