Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
Gentz lind Fasbender. 83 und jedesmal, daß Sie mir schreiben, bringen Sie mich um eine halbe Meile näher zu Ihnen. Meine tiefe Hochachtung, meine unbegrenzte und unveränderliche Ergebenheit darf ich Ihnen nicht aufs neue versichern; sie endigen nur mit dem Leben Ihres treuen Dieners G e n t z. VI. Prag, den 17. Nov. 1806. Ich ergreife eine der ersten sicheren Gelegenheiten die sich mir darbietet, würdiger und vortrefflicher Gönner und Freund, um in einem der trübsten Augenblicke, den wir Beide, und die Menschheit mit uns, erlebt haben, mein Andenken bei Ihnen zu erneuern. Es war vom Schicksal beschlossen, daß, nachdem ich im vorigen Herbst den unglücklichen Begebenheiten beigewohnt hatte, die Österreich an den Rand des Verderbens führten, ich diesmal unmittelbarer Zeuge von noch ganz anderen Katastrophen sein sollte, durch welche die Preußische Monarchie ohne Rettung vernichtet, die Unterjochung Europas vollendet und der längst geweissagte Umsturz des Ganzen besiegelt worden ist. Der Entschluß zu diesem unglücklichen Kriege war kaum gefasst, als alle die von preußischer Seite nach Dresden kamen, mich zum Vertrauten ihrer Plane und zum Rathgeber bei ihren Unternehmungen ausersahen. Ich konnte das Prinzip dieser Unternehmungen keinen Augenblick billigen; Sie kennen meine alte Theorie, daß ohne eine enge Vereinigung der gesamten Kräfte Deutschlands gegen die Übermacht Frankreichs schlechterdings nichts auszurichten war; ich sah deutlich genug, daß, wenigstens für die ersten Schläge, auf Oesterreich nicht gerechnet werden konnte; mithin hätte ich, ohne in die gröbste Inkonsequenz zu verfallen, diesem einseitigen, schlecht vorbereiteten, übereilten, halsbrechenden Kriege, meinen Beifall nie Zusagen können. Indessen war der Entschluß einmal gefasst; und nach meinen unwandelbaren Grundsätzen hielt ich es für Pflicht, alle meine alten Gravamina gegen Preussen bei Seite zu setzen und un6*