Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
84 Jacubenz. ermüdet daran zu arbeiten, der Sache Gunst und Vertrauen, wenn ich gleich das letztere selbst nicht teilte, zu verschaffen. Was ich in den Monaten August und September für diesen Zweck alles gethan habe, würde Sie, obgleich meine Tätigkeit Ihnen bekannt ist, wenn ich es Ihnen im Zusammenhänge vorlegen sollte, in Erstaunen setzen. Der König und seine Minister wurden dadurch gerührt; ich erhielt am 30. September ein äußerst schmeichelhaftes Schreiben, worin ich dringend eingeladen wurde, ins Hauptquartier zu kommen. Diesen Antrag konnte und durfte ich nicht ablehnen; (ich habe auch die große Satisfaktion gehabt, daß in Wien das was ich that, vollkommen gebilliget worden ist) ich reiste am 1. Oktober von Dresden ab und war bis zum 13ten in Naumburg, Erfurt und Weimar. Ich wurde nun vollends in alle Geheimnisse eingeweiht und in den Stand gesetzt, die Sache vollständig und aus allen Gesichtspunkten zu beurteilen. Meine politischen Bedenklichkeiten wurden durch nichts gehoben; es gesellten sich vielmehr zu ihnen andere, die die militärische Seite trafen. Der Herzog von Braunschweig 1), der bis zum 18. September ganz aus dem Spiel geblieben war, erhielt zum Unglück der Welt, das oberste Kommando; 3 oder 4 seiner persönlichen Anhänger ausgenommen, war die ganze Armee, bestimmt und erklärt, gegen ihn; nicht ein einziger verständiger Offizier versprach sich das geringste Gute von ihm; und ich hatte Gelegenheit genug, mich unmittelbar davon zu überzeugen, daß das Mißtrauen nur allzu gegründet war. Doch gab mir der vortreffliche Geist, der den höheren Theil der Armee wirklich beseelte, den geringeren zu *) *) Karl Wilhelm Ferdinand Herzog von Braunschweig, geboren 1735, diente als General in der preußischen Armee, war 1792 und 1793 Kommandant der verbündeten österreichisch-preußischen Truppen am Rhein und 1806 Oberbefehlshaber der preußischen Streitkräfte im Kriege gegen Frankreich. Hatte seine Unentschlossenheit, seine allzugroße Vorsicht schon 1793 die Verbündeten um die Früchte ihrer Siege gebracht, so erwies sich der Herzog im Kriege 1806 seiner Aufgabe vollends nicht gewachsen. In der unglücklichen Schlacht bei Auerstädt (Jena) durch eine schwere Schußverletzung des Augenlichtes beraubt, erlag er am 10. November 1806 nächst Altona seinen Wunden.