Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
82 Jacubenz. fahren” die Rede ist, abgedruckt. Dies skandalisierte mich unendlich; ich sehe aber heute mit Erstaunen und Freude, daß in der nächsten ZeituDg die Proklamation noch einmal, und zwar in ihrer Integrität, sich befindet. Wer war der Urheber jener frevelhaften Verstümmelung? Und wer hat das Verdienst, sie wieder gut gemacht zu haben? Auch wünschte ich wohl etwas sicheres vom Erzherzog Johann zu wissen ; vom GaDge des Prozesses gegen die Generale1); und von dem eigentlichen Zusammenhänge des treulosen Verfahrens der Ungarn2); und ob der Erzherzog Palatínus wirklich Theil daran genommen. — Doch, was möchte ich von Ihnen nicht alles hören! Und wann würde ich fertig, Sie zu quälen, sobald Sie Sich einmal entschlössen, mich zu befriedigen! In jedem, auch im günstigsten Falle, käme ich vor der Mitte des März nicht nach Wien. Denn ich lasse hier in der Nachbarschaft zwei Werke drucken, die ich erst vollendet sehen muß, ehe ich von dannen gehe. Auch dies habe ich Graf St.3) angezeigt. Es bann leicht ein neues Hindernis meiner Rückkehr werden; aber nichts in der Welt kann mich bewegen, diesen Plan, der den Hof auf keine Weise com- promittiert, zur Ausführung zu bringen. Was ist eigentlich Ihre Lage? Ist irgend eine Hoffnung vorhanden, Sie wieder in einer großen, Ihren Kräften und Verdiensten angemessenen Thätigkeit zu sehen? Diese Frage interessiert mich außerordentlich; und einige Aufschlüsse darüber würden mir ganz besonders willkommen sein. In jedem Falle sind Briefe von Ihnen, das können Sie sicher glauben, wenn sie auch trübe und niederschlagend lauten, das stärkste aller Reizmittel, um mich nach Wien zu ziehen; ’) Mack, Auersperg. J) Damit ist wohl die Sendung Pálffys an Davoust gemeint, deren sich ersterer in ungeschickter, den Erzherzog-Palatin kompromittierenden Weise entledigte, was zur Folge hatte, daß die Franzosen überallhin schon die Nachricht von einer „Neutralität Ungarns” verbreiteten. Näheres darüber: Wert heim er, Die Politik Österreichs und Ungarns im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, I, 343 ff. 8) Stadion.