Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. 81 Welt durchaus unverantwortlich. Diese Gesinnungen werden Sie gewiß nicht mißbilligen. Ich darf Ihnen übrigens nicht erst sagen, daß die Aussicht, Sie dort wieder zu finden, mich bewegen würde, über tausend Unannehmlichkeiten hinwegzugehen; und daß ich dieser Aussicht nur allein das nicht zum Opfer bringen kann, was mit meinen ersten Grund­sätzen streitet, mithin auf die Länge mich selbst um Ihre Achtung bringen müßte, die ich als eins meiner höchsten Güter betrachte. Was Sie von dem .............Zustande der Monarchie sa gen, hat mich tief betrübt, ohne mich sehr in Verwunderung zu setzen. So mußte es sein! Und dennoch verzweifle ich nicht — so lange nur Eins nicht geschieht. Bestätiget es sich nämlich, daß der Hof irgend einem Projekt von Vergrößerung von Seiten der TürkeiJ) Gehör gegeben hat, wodurch dann eine Verbindung mit Frankreich unvermeidlich gemacht würde, so ist meines Bleibens in Wien nicht mehr. Ich habe über diesen Punkt viel und reiflich gedacht und bin bereit, Ihnen alle die vollwichtigen Gründe, welche mich nötigen, ein solches Projekt und den unmittelbaren Untergang der Monarchie, als Eins zu betrachten, zu seiner Zeit vorzulegen. Doch möchte ich erst mit Zuverlässigkeit wissen, was wirklich an der Sache ist; und Sie würden mich außerordentlich ver­binden, wenn Sie mir darüber mit sicherer Gelegenheit einige glaubwürdige Daten mittheilen könnten. Ebenso würde ich es als eine große Wohlthat betrachten, wenn Sie mich genau unterrichten wollten, was denn eigentlich der Charakter und das Resultat der famosen Zusammenkunft zwischen dem Erz­herzog* 2) und Bonaparte gewesen ist; und wie Jener gegen­wärtig denkt und handelt. In der Wiener Zeitung vom 25ten war die Proklamation die er am 2ten Januar an die Armee er­lassen hatte, mit Auslassung der Stelle wo von „neuen Ge­>) Schon nach dem Luneviller Frieden wurden französischerseits Andeutungen wegen Erwerbung der Donaufürstentümer gemacht und 1805 von Talleyrand wiederholt. 2) Zweck der Entsendung des Erzherzogs Karl zu Napoleon war eine gewisse Einflußnahme auf die Friedensbedingungen; die Zu­sammenkunft fand am 27. Dezember 1805 im kaiserlichen Jagdschlösse zu Stammersdorf nächst Wien statt, verlief indes resultatlos. Mitteilungen desk, und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VII. Bd. 6

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