Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. 77 ív. Wien, den 31. Mai 1803. Ich wollte Ihnen die beiliegende Abschrift persönlich zustellen; aber ich habe gestern einen heftigen Fieberanfall bekommen, bin heute noch wie zerschlagen und muß über­dies abwarten, was aus der Sache werden wird; denn daß es noch nicht vorüber ist, glaube ich bestimmt zu fühlen. Aus mehreren Gründen habe ich meinen Vorsatz, dieses Memoire dem Erzherzog unmittelbar zu überreichen, wieder auf­gegeben. Die beiden wichtigsten unter jenen Gründen sind — erstlich, daß die Abschrift, daich doch mehrere Kleinigkeiten darin habe corrigieren müssen, nicht sauber genug aussieht — und dann, daß ich gern alles vermeiden möchte, was nach Zu­dringlichkeit schmeckt. Es ist klar, daß gewisse Personen in der Nähe des Erzherzogs kein Wohlgefallen daran haben würden, mich bei ihm zu sehen; und ich gestehe Ihnen überdies ganz offenherzig, daß ich zwischen den politischen Ansichten des Erzherzogs1) selbst und den meinigen eine zu große Kluft befürchte, als daß durch eine einzelne vorübergehende Unterredung das geringste Gute gestiftet werden könnte. Ich bitte Sie daher, verehrtester Freund, dem Erzherzog dieses Memoire in meinem Namen zu überreichen, ohne jedoch einer mir zu gewährenden Audienz, wenn er nicht ganz von freien Stücken darauf verfällt, auch nur von fern zu erwähnen. Vorgestern hat Graf Cobenzl ein gedrucktes Exem­plar von den Aktenstücken über die Negotiation zwischen Frankreich und England (so wie sie Bonaparte dem Senat in geheimer Sitzung vorlegen ließ) erhalten. Ich bin so glücklich gewesen, diese höchst wichtigen Piecen einige Stunden in meinen Händen zu haben; sie sind aber so weitläufig (250 Seiten in quarto) daß ich sie nicht ganz lesen konnte, und jetzt ist alle Hoffnung, sie wieder zu bekommen, verschwunden, da man sie dem * ') Erzherzog Karl vertrat die Ansicht, daß eine prononciert englandfrenndliche Haltung der Monarchie notwendig zu einem Kon­flikte mit Frankreich führen müsse, im übrigen aber mehr den britischen als den östereichischen Interessen dienlich sei.

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