Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

78 J a c u b e n z. Cabinetsminister mitgeteilt hat, von da sie an den Kaiser und an den Erzherzog Karl gehen sollen. Da der letztere durch seine Korrespondenten wenigstens eben so gut und oft viel besser bedient wird, als das Ministerium, so wäre es doch ein möglicher Fall, daß man ihm auch ein Exemplar von diesen Aktenstücken zuschickte. Geschieht dies, oder erhält der Erzherzog das Exemplar von Cobenzl und kann sich entschließen, es auf einige Stunden aus den Händen zu lassen, so würden Sie mich unbegrenzt verbinden, wenn Sie es mir auf diese Zeit verschaffen könnten. Ich weiß nicht, ob diejenigen, die das kleine Memoire, welches ich Ihnen vor einigen Wochen übergab, gelesen haben, wenn sie jetzt diese Aktenstücke sehen, meiner poli­tischen Sagazität einige Gerechtigkeit werden widerfahren lassen Man hat viel und mannigfaltig über die Ursachen derplötz- liehen Sinnesänderung des Englischen Ministeriums seit dem Monat März, conjekturiert; ich war vielleicht der einzige, der Sinn in dem Berichte von S e b a s t i a n i1) aufsuchte; die klügsten Engländer waren gegen mich; jetzt ist es erwiesen, daß ich Hecht hatte. Ebenso ist alles, was ich damals über die In- consequenz des Englischen Ministeriums sagte, ebenso ist meine Vermuthung daß die in der Botschaft des Königs ange­führten französischen Rüstungen ein bloßer Vorwand waren — vollkommen bestätigt. Ich wünschte wohl, daß Sie bei einer guten Gelegenheit den Erzherzog auf dieses Zusammentreffen (welches mir wirklich sehr schmeichelt) aufmerksam machen, besonders aber, daß Sie ihm zu Gemüthe führen möchten, wie wenig ich, bei aller mir Schuld gegebenen Parteilichkeit für Eng­land, ein blinder Anhänger der Englischen Regierung, und ein blinder Verteidiger ihrer Maßregeln bin. Doch alles Das ist vergeblich; ich fühle es wohl. Die Herren wollen die Wahrheit nicht wissen und können sie vielleicht, nachdem sie so lange auf falschen Wegen gegangen sind, nicht mehr fassen. Lassen Sie mich nur den Trost nicht verlieren, an Ihnen einen gerechteren und rücksichts- *) *) Francois Horace conte Sebastiani de la Porta, ein gebürtiger Korse, war französischer Gesandter in Konstantinopel.

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