Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
Gentz und Fasbender. 63 mit -welch zwingender Logik die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Deutschen darzutun! Seine Vorrede zu den „Fragmenten”1), seine Manifeste und Proklamationen sind das Höchste, was je ein deutscher Schriftsteller auf diesem Gebiete geleistet hat, von einer Gedankenfülle und Rhetorik ohnegleichen! Ungebeugt durch die Ereignisse von 1805 wirkte er, obwohl von Wien ferngehalten* 2), mit der gleichen Nachhaltigkeit für eine Vereinigung der Kräfte Österreichs und Preußens gegen Frankreich, wie er denn überhaupt bis 1809 der leidenschaftlichste Eiferer gegen die französischen Hegemoniebestrebungen blieb. Darin erblickte er sein Lebensziel, dieser Aufgabe widmete er seine unermüdliche Arbeitskraft und seine reichen Geistesgaben; darin liegt aber auch vornehmlich seine Bedeutung in der Geschichte und sein unbestreitbares Verdienst um die Interessen nicht bloß der deutschen, sondern auch der übrigen in Mitleidenschaft gezogenen Staaten Europas. Gentz, dessen Verkehr bis 1791 vorwiegend auf die besseren bürgerlichen und wissenschaftlichen Zirkel beschränkt war, wurde bald darauf, als sein literarischer Ruf zu wachsen begann, durch seinen Vetter, den Hofprediger An c ill on in die vornehme Berliner Gesellschaft eingeführt. Geist und gesellschaftliche Talente machten ihn dort zum gern gesehenen Gast und er verkehrte fortan fast ausschließlich in diesen Kreisen.3) Seine publizistische Tätigkeit brachte ihn in der Gesellschaft naturgemäß auch mit der diplomatischen Welt in Be*) Fragmente aus der neuesten Geschichte des politischen Gleichgewichtes in Europa, Leipzig 1806. 2) Da seine publizistische Tätigkeit geeignet war, dem österreichischen Kabinette Verlegenheiten zu bereiten, wurde Gentz nach dem Kriege 1805 angewiesen, eine Zeitlang fern von Wien Aufenthalt zu nehmen. Er wohnte in Prag und ward von Stadion erst im Februar 1809 wieder nach Wien berufen, wo er dann bis ans Lebensende, 1832, verblieb. 3) Er selbst sagt darüber: „Von 1800 an begann ich auf der Szene der Welt eine Bolle zu spielen; .... die Gesellschaft wurde ein Hauptgegenstand meiner Beschäftigung und meines Studiums, die Grundlage meiner Macht.” (Guglia, 165.)