Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
64 Jacubenz. rührung; so lernte er dort 1801 den österreichischen Botschafter Philipp Graf Stadion kennen, der Gentzens hervorragende Begabung erkannte und seinem politischen Baisonnement uneingeschränktes Lob zollte. In den offiziellen Wiener Kreisen war Gentz schon 1793 bekannt geworden, als er die Übersetzung des Burkeschen Werkes an den Kaiser sandte. Man kannte hier die Tendenz seiner Schriften und da sie in keiner Weise gegen die Richtung der österreichischen Politik verstieß, so wurde kein Anstand genommen, seinem „Historischen Journal” den Eingang nach Österreich zu gestatten, was für die damaligen Verhältnisse als eine besondere Begünstigung angesehen werden konnte. Auch hatte die in diesem Journal 1799 erschienene energische Abwehr der Verdächtigungen österreichischer Urheberschaft am Bastätter Gesandtenmord in Wien einen günstigen Eindruck gemacht. Was nun Gentzens Übertritt in österreichische Dienste anbelangt, so behaupten einige seiner Biographen, daß er hiezu vom österreichischen Kabinette aufgefordert worden sei. Dies scheint indes nicht richtig zu sein; vielmehr deuten manche Umstände darauf hin, daß er sich um den Dienst in Österreich selbst beworben habeJ). An Gründen zu diesem Entschlüsse hat es bei ihm wahrlich nicht gefehlt. Die Unzufriedenheit mit seiner Amtsstellung in Berlin, die ihm weder das richtige Feld zur Entfaltung seiner reichen Fähigkeiten noch Aussichten auf eine angemessene Karriere bot; der scharfe Gegensatz, in dem er sich mit der Richtung seiner publizistischen *) *) In einem Tagebuchvermerk vom 4. Mai 1802 sagt er selbst darüber: „ . . . . am folgenden Tage, nach einer Unterredung mit Grattenauer über meine häuslichen und Geldverhältnisse, setzt der Gedanke, Berlin zu verlassen und meine Ehe zu trennen, sich in mir fest.” Viel bestimmter aber lautet Metternichs Bericht an Cobenzl d.d. Dresden, 18. Juli 1802: „Er [Gentz] verhehlte mir keineswegs den Wunsch, die preußischen Staaten zu verlassen und sich unter Bedingnissen, welche seinen geringen Vermögensumständen angemessen sein dürften, ganz dem Allerhöchsten Dienste zu widmen.” „Ü her zeugt daß der Herr Graf von Stadion von ihm ähnliche und bestimmtere Anträge erhielt”, usw. (Fournier, Gentz und Cobenzl, 63.)