Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

62 J a c u l) o n z. Dauer”, dana durch seine gediegenen in der „Neuen Deutschen Monatsschrift,” erschienenen Aufsätze immer mehr die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen und politischen Kreise auf sich gelenkt, so begründete er durch das von ihm 1799 geschaffene „Historische Journal” und namentlich durch die berühmt gewordene Schrift „Uber den Ursprung und den Charakter des Krieges gegen Frankreich” vollends seinen literarischen Ruf. Er galt fortan als die erste Feder Deutsch­lands auf dem Gebiete der politischen Publizistik, Die „Neue Deutsche Monatsschrift” und das „Historische Journal” dienten ihm zur Verbreitung seiner politischen Be­trachtungen und Ideen; durch die besten englischen und französischen Journale über die Vorgänge in Frankreich stets gut unterrichtet, beobachtete er scharf die einzelnen Vorkommnisse und zog aus diesen Schlüsse, an die andere, besonders aber die Kabinette, noch gar nicht dachten. Dieserart bekundete er frühzeitig jene politische Voraus­sicht, die ihn in der Folge so sehr auszeichnete und zum wahren Staatsmanne machte. So hatte er schon vor 1800 warnend hervorgehoben, welch gefahrdrohender Gegner Frank­reich für Deutschland werden müsse, wenn es nicht recht­zeitig in die Schranken gewiesen und durch die vereinten Kräfte der deutschen Staaten niedergerungen würde. Die Erfahrung lehrte, wie richtig er vorausgesehen hatte; den deutschen Staaten wäre so manche Demütigung erspart geblieben, wenn man seiner warnenden Stimme Gehör geschenkt hätte. Gentz blieb jedoch nicht bloß bei Warnungen allein oder bei Rekriminationen stehen, sondern war vielmehr allezeit auch auf positive Hilfsmittel bedacht. Sein klarer Geist erkannte, daß Napoleons Stärke hauptsächlich in der Schwäche und Uneinigkeit der deutschen Staaten liege; darum war er bestrebt, in diesem Sinne durch seine Denkschriften auf die Kabinette und im Wege der Publizistik auf das deutsche Volk einzu­wirken. Wie herrlich -spricht er doch zum Volke nach dem unglücklichen Kriege von 1805! Mit welchem Schwung, mit welch flammender Beredsamkeit sucht er die gesunkene öffentliche Meinung aufzurichten und das Gefühl für die gemeinsamen Interessen Deutschlands neu zu beleben,

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