Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. 61 den folgenden Jahren mit allem Ernst oblag. In dieser Zeit lernte er überdies die französische und englische Sprache, die er beide durch unermüdlichen Eifer bald mit nahezu gleicher Vollendung in Wort und Schrift beherrschte, wie die deutsche. Die Liebe zum Studium blieb übrigens auch im ferneren Leben seine treue Begleiterin, wie es denn überhaupt eine Eigentümlichkeit dieses seltsamen Mannes war, daß er selbst im Taumel der Genüsse niemals der geistigen Pflege vergaß. Auf Wunsch seines Vaters war Gentz nach Be­endigung der Universitätsstudien im Sommer 1785 in den preußischen Staatsdienst getreten. Anfangs bei der See­handlung, dann als Beferendar beim Generaldirektorium, der obersten Finanz und Polizeibehörde Preußens, angestellt, er­langte er nach etwa 15 Jahren den Bang eines geheimen Kriegsrates im Kriegsdepartement dieses Amtes. Doch befrie­digte ihn die trockene Tätigkeit seines Berufes keineswegs und mehr als einmal war er im Begriffe seine Stellung aufzugeben. Sein lebhafter feuriger Geist drängte ihn auf andere Bahnen; im Verkehr mit der wissenschaftlichen Welt, in der seine ungewöhnliche Begabung, die Klarheit seines Geistes wie auch sein reiches Wissen nicht unbemerkt geblieben waren, fand er die nötige Ermunterung, um sich schriftstellerisch und publizistisch zu versuchen. Der Ausbruch der französischen Devolution bot ihm geeigneten Stoff und Anlaß dazu; anfangs ein begeisterter Anhänger derselben, wurde er, als sie in Anarchie aus­artete, gleich vielen anderen bedeutenden Männern ihr erbitterter Gegner. In zahlreichen Briefen und Aufsätzen be­kämpfte er jetzt die Bewegung, die unter der humanen Parole: „Für Freiheit und Menschenrechte!” begonnen hatte und sich nun in den blutrünstigsten Formen äußerte. Hatte Gentz schon 1791 mit dem gehaltvollen Auf­sätze „Über den Ursprung und die obersten Prinzipien des Beehts”, 1793 durch die vortreffliche Übersetzung der Burkeschen „Betrachtungen über die französische Devolu­tion”, 1794 durch die Übersetzung von Mailet Dupans Werk „Über die französische Devolution und die Ursachen ihrer

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