Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

60 J aoivbenz. Eintritt in österreichische Dienste, wie auch einige bio­graphische Daten über Fasbender beigeftigt. Eine Erläuterung der Briefe hinsichtlich ihres Zusammen­hanges mit der Zeitgeschichte würde weit über den Rahmen dieser Publikation hinausreichen und muß daher unter­bleiben. Friedrich von G e n t z, 1764 in Breslau geboren, warder Sohn eines preußischen Münzbeamten; seine Mutter, eine ge­borene Ancillon, stammte aus einer französischen in Deutschland seßhaften Familie. Nach Absolvierung des Gymnasiums bezog er 1783 die Universität Königsberg, an der damals der berühmte Kant lehrte und den Eifer seiner Schüler mächtig anzuregen wußte. Im Umgang mit Kant, zu dessen engerem Kreise er nach einiger Zeit gehörte, hatte der junge Gentz Gelegen­heit sich zum scharfsinnigen Kritiker, zum glänzenden Dialektiker herauszubilden. Durch Kant machte er auch Bekanntschaften, die ihm dann in späterer Zeit von Nutzen waren. Genial veranlagt, beredt, hinreißend durch die jugendliche Begeisterung, dabei voll Anstand und Würde, eroberte er bald alles um sich. Nach Vollendung der Universitätsstudien kehrte er im Mai 1785 ins Elternhaus zurück. In Königsberg hatte Gentz ein romantisch veranlagtes Mädchen, Bernhardine von Schwinck, kennen gelernt und sich mit ihr verlobt; seine wie auch des Mädchens»Eltern waren mit dem beabsichtigten Ehebündnis einverstanden, doch schon im November 1786 löste die Braut das Verlöbnis. Dadurch in seinem Innersten verletzt und vielleicht noch mehr in seiner Eitelkeit gekränkt, suchte nun der junge Mann in wilden Orgien, in einem über alle Maßen ausschweifenden Leben Betäubung und Vergessen. Die Folgen blieben nicht aus: er erkrankte unter schweren Erscheinungen und mußte wochen­lang das Zimmer hüten. Als er wieder genesen war, trat in seinem Seelenleben eine mächtige Wandlung ein; mit wahrer Gier warf er sich wieder auf das Studium der Wissenschaften, dem er nun in

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