Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
228 Wachtel. schlag zu einer gemeinsamen Offensive gegen Salzburg, den er selbst Chasteler am 8. Mai machte, widerlegt1). Wohl dürfte er hieran im Geiste die Bedingung geknüpft haben, daß er mit seiner Division nur frontal im Salzachtal gegen Salzburg vorgehe und sich so stets die Möglichkeit wahre, seiner eigentlichen Aufgabe, der Sicherung des Pongaus, nachzukommen. Was das sonstige fast völlig passive Verhalten der Division betrifft, so fesselte sie dadurch während der 2V2 wöchentlichen Besetzung des Pongaus gleich anfangs nur 1 bayrische Brigade, dann nicht einmal soviel, das ist etwa Vr bis Vs ihrer eigenen Kriegsstärke2). Daß sie den Gegner während dieser Zeit von einem Vorgehen durch den Pongau gegen Innerösterreich abhielt, kann wohl nicht als volle Verwertung der Division angesehen werden; denn ihre starre Passivität ermöglichte es dem gegenüberstehenden Feinde, fast seine ganze Kraft einem beliebigen anderen Ziele, hier Tirol, zuzuwenden. Den Erfolg, den partielle Offensiven, wie sie gerade das Gebirge begünstigt, hätten haben können, lehrt der geschilderte Eindruck, den schon das kurze Vorgehen von IV2 Bataillonen in der Abtenau auf den Gegner machte3). Ähnliche Vorstöße, mit stärkerer Kraft und weitergesteckten Zielen öfters ausgeführt, hätten wahrscheinlich das Gros des Korps Lefebvre im Salzburgischen festgehalten. Auf diese Art und durch den Abbruch, welchen Vorstöße dem Gegner zugefügt haben würden, hätten sie mittelbar wahrscheinlich in größerem Maße zur Unterstützung Tirols beigetragen, als dies ein unmittelbares unterstützendes Vorgehen durch den Pinzgau vermocht hätte. Die Wirkung des letzteren hing von einem genauen zeitlichen Übereinstimmen mit der Tätigkeit der Tiroler' Streitkräfte ab, was bei den damaligen Verbindungsmitteln im Gebirge schwer zu erreichen war. Gerade hier hätte aber die Entwicklung einer offensiven Tätigkeit überdies noch eine Verstärkung der eigenen Kräfte zur Folge gehabt. *) Vergl. Seite 162 und Anhang XI. 2) Vergl. Seite 149, 3) Vergl. Seite 187, 148.