Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

Die Division Jellacic im Mai 1809. 229 Die Gebirgsbewohner, die trotz mehrfacher Aufforderung des FML. Jellacic an einer passiven Verteidigung ihres Landes nur in geringer Zahl mitwirkten, wären durch einzelne Vorstöße und deren kleine Erfolge sicher zu zahlreicherer Beteiligung entflammt worden, wie sie tatsächlich später im September 1809 durch die offensive Tätigkeit Pater Ha spin g er s fortgerissen wurden. \ Daß aber FML. Jellacic ein solches aktives Ver­halten unterließ, hat, wie dargetan, seinen Hauptgrund1) in den Befehlen Hillers und später Erzherzog Johanns, welche alle die reine Verteidigung ohne jedes Wagnis betonten2). Die obersten Heerführer sind es eben, die bestrebt sein müssen, jedem einzelnen Heeresteil positive, das heißt aktive *) Berücksichtigt muß bezüglich der Offensivfähigkeit der Division Speziell anfangs Mai auch werden, daß sie am 4. Mai außer der Munition heim Manne nur mehr 12 Reservemunitionsverschläge hatte. Jellacic an Hiller, Radstadt, 4. Mai 1809 (K. A., F. A. 1809, Hauptarmee, V, 107 und 6. Korps, Y, 95, im Wortlaut bei Maretich, Struber, 113). Erst später, ungefähr vom 10. Mai an, erhielt die Division Munitionszuschub über den Radstädter Tauern aus Kärnten vom GM. Vogel und durchs Ennstal aus Steiermark vom FZM. Kerpen (von letzterem zweimal: Kerpen an Erzherzog Johann, Graz, 21. Mai 1809; K. A., F. A. 1809, Italien, V, 217). 2) Vergl. Seite 110, 128, 165. In einem einzigen Befehl aus Ried, 29. April 1809, 9 Uhr 30 Min. vorm. (K. A., F. A. 1809, 6. Korps, IY, 512, im Wortlaut bei Maretich, Struber, 111, hier irrtümlich als „IY, 498”), verwies Hiller den FML. Jellacic auf eine Offensive nach Straßwalchen gegen die feindlichen Verbindungen. Gerade diesen Befehl hat Jellacic jedoch, wohl infolge des raschen Vordringens Wredes zwischen ihm und dem Gros Hillers, anscheinend nicht erhalten, denn Jellacic geht in seinen Antworten stets genau auf Hillers An­ordnungen ein und meldet, wann jede einzelne durchgeführt wurde oder wird. Nach dem Erreichen Gollings gegen Mittag des 30. April sandte Jellacic eine ausführliche Meldung über sein Verhalten an Hiller (K. A., F. A. 1809, 6. Korps, IV, 565, im Wortlaut bei Maretich, Struber, 106), worin er ausdrücklich an sein letztes Schreiben vom 27. April anknüpft, punktweise die Art der Besetzung der früher von Hiller angegebenen Orte meldet, von dem Offensivbefehl aber nichts erwähnt. Auch in einem Schreiben an Chasteler, Radstadt, 2. Mai 1809 (K. A., F. A. 1809, 8. Korps, V, 11), sagt Jellacic ausdrücklich „Meine Instruktion war, mich in nichts Wesentliches einzulassen und vielmehr die Besetzung der Pässe zu besorgen und so den gebirgigen Teil des Landes zu verteidigen.”

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