Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
224 Wachtel. Von der Anschauung ausgehend, daß der Gewinnung wahrer Kriegslehren aus der Kriegsgeschichte jedoch abfällige Beurteilung weit weniger diene, als Klarlegung der treibenden Ursachen, wurde in vorstehender Studie versucht, bei jeder einzelnen Tätigkeit die Beweggründe, die sie veranlaßten zu ermitteln. Tatsächlich führte dieser Vorgang, wie wohl in der Regel, zur Erkenntnis, daß gar manche auf den ersten Blick unerklärlich fehlerhaft dünkende Handlung bei Verfolgung ihres geschichtlichen Werdeganges ganz natürlich und begreiflich erscheint. Gleich an die Stellung der Division im Salzburger Gebirge knüpften sich die ersten Vorwürfe der bisherigen Kritik1). Nun hat die Darstellung der Ereignisse gezeigt, daß sich EML. Jellacic bezüglich Verlauf und Ausdehnung dieser Stellung vollinhaltlich an die bis ins einzelne gehenden Befehle FML. Hillers hielt; die ihm mithin gegebene Verteidigungslinie wurde übrigens dann auch vom Erzherzog Johann völlig gebilligt. Die Kräftegruppierung in dieser Linie kann wohl nicht ungünstig beurteilt werden; sie erscheint vielmehr den verschiedenen Geländeverhältnissen trefflich angepaßt, wie eine kurze Betrachtung zeigt. sonders Horm ayrs, der 1809 als Intendant für Tirol bei Chasteler war, zurückzuführen ist. Sie fahndeten für die Unglückställe des Jahres 1809 natürlich nach Sündenböcken ; einen besonders günstigen gab FML. Jellacic ab, da er, bereits am 4. Februar 1810 gestorben, sich nicht rechtfertigen konnte. fl Buat, De Batisbonne ä Znaim, I, 98 : „II (Jellacic) déploya sa division en cordon, sur un front immense et demeura inactif.” Heller, Feldzug des Jahres 1809, III. Abschnitt, 21G: „FML Jellacic — — — nahm folgende, den wahren Grundsätzen des Ge- birgskrieges gänzlich zuwiderlaufende Aufstellung” (außer einer späteren Bemerkung bezüglich der Ausdehnung sagt jedoch nichts, worin dieses Zuwiderlaufen bestünde). M a r e t i c h, Struber, 37, und Mareti ch, Salzburg (Streffleur, 1893, I, 75): „Jellacic Aufstellung war jedoch wegen der zum Teile durch Yerpflegsschwierigkeiten hervorgerufenen Kraftverzettelung wenig geeignet, bei der Verteidigung des Gebirgslandes Aussicht auf Erfolg zu versprechen”. All dem gegenüber sei darauf hingewiesen, daß gerade Jellacic auf Kraftkonzentrierung hinstrebte; vergl. Seite 160.