Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

Die Division Jellacic im Mai 1809. 225 Die Truppen, welche den nördlichen Hauptzugang zum Pongau, das in das Hochgebirge tief eingeschnittene Durch­bruchstal der Salzach, sperren sollten, standen im Tale in 4 Gruppen auf je 3 bis 5 lern hintereinander. Die Unwirtlichkeit der beiderseitigen Höhen hätte dem Verteidiger außerordentlich erschwert, oben zwecks Ver­hinderung einer Umgehung des Passes selbst nur kleinere Ab­teilungen dauernd zu unterhalten: auch wären die hiezu ver­wendeten Truppen unverhältnismäßig hergenommen worden*). Andererseits konnte aber auch der Angreifer Umgehungen über diese Höhen aus den gleichen Gründen nur mit schwachen Abteilungen durchführen. Diese wären jedoch bei der ge­wählten tiefen Gliederung des Verteidigers zwischen zwei Feuer geraten, sobald sie in das Tal hinabgestiegen wären2). Ein ganz anderes Bild zeigt am linken Flügel der Divi­sion die Verteidigung der Übergänge über das Bergland von Goldegg, das sich am Westrand des Pongaus zwischen den von der Salzach bespülten Nordausläufern der Hohen Tauern und dem Kalkalpenmassiv des Hochkönigs erstreckt. Die größere Wegsamkeit und Gangbarkeit dieses Gebietes gestaltete eine unmittelbare Sperrung jeder einzelnen Kommu­nikation auf der an und für sich wenig ausgesprochenen Höhenlinie unvorteilhaft. Demgemäß ließ das Divisions­kommando an dieser Linie nur Beobachtungsposten aufstellen; die vordersten Sicherungsabteilungen aber postierte es einige Kilometer dahinter in mehreren Gruppen nebeneinander, so daß sie sich dem irgendwo übergehenden Gegner entgegen­werfen konnten. Am rechten Flügel der Division wurden die der Ent­fernung und dem Gelände nach selbständigen Zugangslinien über Abtenau und Ischl auch durch selbständige, minimal kleine Gruppen besetzt. *) Auch, auf den unteren Hängen des Lammertales lag beispiels­weise zu dieser Zeit noch so tiefer Schnee, daß er das Vorgehen der Brigade Stengel merklich erschwerte; vergl. Seite 131, 184. 2) Tatsächlich wagten es die Bayern, die wußten, daß in Werfen eine stärkere Gruppe stehe, nach Einnahme der Höhen beiderseits des Passes am 5. Mai nicht, darüber hinweg in den Rücken der Paßsperre ins Tal vorzugehen; vergl. Seite 141. Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VII. Bd. 15

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