Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

Die Division J ellacic im Mai 1809. 219 mit dem schlechten Wetter und der Notwendigkeit zunächst eine von den Österreichern zerstörte Straßenbrücke bei Klein­reifling wieder herzustellen, bewog GM. Hügel vorerst bei Weyer stehen zu bleiben1). Doch benützte er diese Gelegen­heit, um den Altenmarktern das baldige Anrücken Va n d a na­mes zu verkünden, für den er sogar befahl, in Admont Quar­tiere vorbereiten zu lassen2). Die Nachricht hievon dürften die Altenmarkter, die ohnehin von Hügel beauftragt waren, Kundschafter nach Leoben zu entsenden, baldigst Oberstleutnant Plunkett überbracht haben. Dieser hatte mithin am 25. Mai Kunde, daß die Bayern Enns abwärts, die Württemberger Enns aufwärts gegen ihn vorgingen. Der von zwei Seiten vermuteten Gefahr versuchte Plunkett mit seinen nunmehr bei Li ezen vereinten Truppen anscheinend durch Zurückgehen auf der Marschlinie der Division Jellacic durch das Palten—Liesingtal zu entrinnen. Er ge­langte aber, vermutlich am 26. Mai, nur bis in den Kaum um Kottenmann. Hier schon muß ihn die Nachricht ereilt haben, daß auch diese dritte Linie durch die im Murtale vorrückende italienische Armee, die den FML. Jellacic bei St. Michael geschlagen hatte, gesperrt sei8). *) *) GM. Hügel dürfte auch später nicht weiter vorgegangen sein, da Van dämme indessen den Befehl erhielt, schleunigst mit allen Teilen seines Korps jenes von If a vout in der Gegend von St. Pölten abzulösen (B erthier an V a n d a in m e, Ebersdorf, 24. Mai 1809, 5 Uhr abends ; Correspondance, Nr. 15249), worauf er das Detachement Hügel aus dem Ennstal zurückzog. 2) Hügel an Van damme, Weyer, 25. und 26. Mai 1809, und Hauptmann Deleau an Van damme, Weyer, 25. Mai 1809 (Paris, Depot de la guerre). 3) Das in diesem Absatz Geschilderte beruht lediglich auf Hypo­these, da hiefür keine Quellen aufzufinden sind. Für den angegebenen Verlauf spricht der Umstand, daß bei der späteren Kapitulation von Kottenmann tatsächlich alle Truppen Plunketts beisammen waren, also die von J ellacic befohlene Besetzung der Pässe nicht durch­geführt hatten. Daß Plunkett speziell Kenntnis vom Marsche der Bayern hatte, beweist der Satz Vaudoncourt, I, 312: „L’Autrichien, inquiet de la déroute de Jellacic et de la marche de l’armée d’Italie, d?uII cóté, et de 1’autre de celle du maréchal Lefébvre, qui approchait de Salzbourg, preta volontiers l’oreille aux propositions que lui fit le capitaine Mathieu”. Vergl. auch Seite 188, Anmerkung 8.

Next

/
Oldalképek
Tartalom