Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
Die Division Jeilacic im Mai 1809. 179 Dies erweckte in Jeilacic die Vermutung eines feindlichen Vorgehens aus Niederösterreich in der Richtung gegen Graz oder Jitdenburg. Um diesem von Norden drohenden Gegner auszuweichen, nahm nun Jeilacic ein Ausbiegen von Rottenmann nach Judenburg in Aussicht. Er wollte am 22. nach Rottenmann *), am 23. nachZeiring und am 24. zeitlich früh nach Judenburg3) zu gelangen trachten4). Um den Austritt aus dem Gebirge und den Murübergang bei Judenburg zu erleichtern, wurde das schon in Steinach befindliche 1. Judenburger Landwehrbataillon sogleich nach Judenburg abgeschickt; es sollte den Ort und die dortige Brücke bis zum Eintreffen des Gros der Division halten5); ihm wurden die einzigen um Radstadt verfügbaren Truppen, 5 Kompagnien6) des 1. Bataillons Esterházy unter Major Assante mit 2 Kanonen, am 20. Mai nachgesendet. Die fünf Kompagnien aus Abtenau hatten von Haus aus Befehl bekommen, über Aussee nach Steinach an die Marschlinie der Division einzurücken; ihnen hatten sich die Besatzungen von Paß Gschütt, Pötschenhöhe und Aussee anzuschließen. * 2 3 4 5 6 über Schwaz vorgerückt, dafür aber mit Teilen ins Zillertal abgebogen (vorgenannte Übersicht K. A., F. A. 1809, 6. Korps, XIII, 128, und Jeilacic an Erzherzog J o h a n n, Anhang XXIII); dies konnte der Beginn einer bayrischen Vorrückung über den Gerlos-Paß, dann Salzach abwärts gegen den Pongau sein, mußte daher Jeilacic auch noch zur Eile anspomen. x) Gröbming—Rottenmann 43'9 km.. 2) Bottenmann—Zeiring, südlich des Eottenmanner Tauern, 44'8 km. 3) Zeiring—Judenburg 18 km. Der Weg von Badstadt über den fiadstädter Tauern nach Judenburg ist annähernd gleich lang wie jener über den Eottenmanner Tauern. Jeilacic scheint ihn deshalb nicht gewählt zu haben, weil er eine bedeutende Strecke im Murtal schlechter war als jener im Ennstal und weil er die Heranziehung der im Ennstal stehenden Abteilungen nutzlos kompliziert hätte. 4) J e 11 a c i c an Erzherzog J o h an n und de Lort an Nugent, Anhang XXI, XXII. 5) Die Zweifel Z w i e d i n e c k, St. Michael, 19, an der Entsendung dieses Bataillons, sind nach allem hier Angeführten unbegründet. 6) Jeilacic an Erzherzog Johann, Anhang XXI, sagt, vermutlich abrundend, ein Bataillon; wie Textskizze 4 zeigt, standen in Badstadt nur 3 Kompagnien, zu denen wahrscheinlich am 19. Mai die 2 aus Annaberg, 29 km, herangezogen worden waren.