Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

180 Wachtel. Bei Liezen sollte die Vereinigung mit den das Ennstal bei Paß Pyhrn und Altenmarkt sickernden Gruppen der Oberstleutnante Plunkett und de La Bussiére erfolgen. Die letzten Abteilungen der zurückgehenden Truppen sollten alle Brücken zerstören und den etwa nachfol­genden Bayern „alle erdenklichen Hindernisse in den Weg legen” 1). Durch Abbiegen über den Bottenmanner Tauern nach Judenburg und Vollführung eines Gewaltmarsches bis hieher* 2 3) hoffte Jellacic dem Gegner aus Niederösterreich noch am ehesten entgehen zu können8). An eine Gefährdung durch die italienische Armee scheint er gar nicht gedacht zu haben. Er wußte über sie nichts Näheres und konnte lediglich aus dem Absendungsort des Befehles des Armeekommandos, Villach, folgern, daß sie bis 17. Mai höchstens die Gegend bei Tarvis erreicht haben dürfte; weiter vermutete er wahrscheinlich, daß mindestens ihr Gros der innerösterreichischen Armee folgen und durch diese gebunden sein werde. Im Sinne der Absicht des FML. J e 11 a c i é beschleunigten seine Truppen ihren Abmarsch aufs tunlichste4 *). Allein gleich zu Anfang bereitete das Wetter den ge­planten Marschleistungen unüberwindliche Hemmnisse. Am 20. Mai setzte ein Gewitter mit wolkenbruchartigen Regen­güssen ein6 *); alle Gewässer stiegen beträchtlich und über­fluteten stellenweise die Kommunikationen, deren Zustand *) Jellacic an Erzherzog Johann, Schladming, 21. Mai 1809, 11 Uhr 30 Min. nachts (im Wortlaut Anhang XXIlfi; Befehl an Etting­hau s e n, vergl. dessen Selbstbiographie (Z w i e d i n e c k, St. Michael, 26). Tatsächlich zerstörte die Besatzung von Paß Lueg die nördliche Zu­gangsbrücke zur Paßsperre (I)öderlein, 146), die Gruppe Ettinghausen eine Brücke bei Wagrain (Bericht des Landwehrmajors Marx an Chasteler, Penzelherg bei Winklern im Mölltal, 28. Mai 1809; K. A., F. A. 1809, 8. Korps, V, 414). 2j Für die an den Gebirgsübergängen gestandenen Abteilungen rund 190 km in vier Tagen. 3) Berichte Jellacic und de Forts, Anhang XXI, XXII. 4) Sie sollen „in größter Eüe und Verwirrung” (?) den Rückzug angetreten haben; Kronprinz Ludwig an den König von Bayern, Salzburg, 23. Mai 1809 (Königl. bayr. K. A., Vorarbeiten 1809). 6) Der Regen an diesem Tage war so stark, daß er sogar den bayrischen Biwakhütten in Golling sehr übel mitspielte (Döderlein, 144).

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