Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)

44 Durch diese Operation wollte der Erzherzog Tirol räumen, den Feind, ehe er gesammelt wäre, aufsuchen und schlagen, schnell die Etsch gewinnen und durch die dann rückliegenden venetianischen Provinzen die Armee und Tirol mit Lebensmitteln versehen, zugleich Kärnten und die öster­reichischen Grenzen auf dieser Seite decken und dadurch der sich bildenden kroatischen Insurrektion Zeit und Ruhe zu lassen, um brauchbare Krieger zu werden und die fort­gesetzten Befestigungsarbeiten zu vollenden, an der Etsch aber den Ausgang der Ereignisse in Deutschland abwarten; erst dann, wenn dort dieselben glücklich ausgefallen wären, wollte er die Offensive fortsetzen. Im unglücklichen Falle blieben ihm die Pässe Tirols, Kärntens und Krains zum Rückzuge und gesicherte Kommunikationen. Die Meinungen waren geteilt, die einen wollten, daß alles nach Tirol rücke, andere, daß bloß das Notwendige nach Tirol gesendet, zu­gleich aber nach Italien offensiv vorgegangen werde. Endlich wurde beschlossen, der Erzherzog solle Tirol befreien und behaupten, mit dem übrigen die Offensive nach Italien er­greifen1). Das Wie? blieb ihm überlassen. Schnelligkeit war, was der Erzherzog sagte; diese allein könne Österreich die Vorteile geben, nach welchen es strebte, überall sei der Feind aufzusuchen, rasch anzu­fallen, ehe er gesammelt wäre, dadurch allein könne man vermeiden, in die Defensive geworfen zu werden, welche gegen Napoleons Unternehmungsgeist sicher die größten Nachteile bringen müßte. In 14 Tagen nach der Eröffnung der Feindseligkeiten wollte der Erzherzog, wenn das Glück ihm günstig wäre, an die Etsch gelangen und Tirol ganz im Besitz haben1 2). Die Erzählung des Feldzuges wird zeigen, was ge­schehen und warum alles geschehen ist, welche Befehle der 1) So lautete der letzte Befehl, den der Erzherzog bei seiner Abreise er­hielt und der einzige offizielle war, der in Rücksicht der Operationen etwas bestimmte. Im Ministerialbureau herrschten diese verschiedenen Meinungen und daher geschah es, daß manche Befehle verschieden lauteten und in jedem die verschiedenen Tendenzen hervorleuchteten. 2) Der Erfolg zeigte, ob er richtig sah. Tirol wurde befreit und be­waffnet, Italien bis an die Etsch genommen, der Feind geschlagen.

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