Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)

45 Erzherzog- erhielt, welche Nachrichten vom Feinde, welche von den übrigen Heeren er hatte, welche günstige Zeit­punkte eintraten, wie er sie benützte oder sie benützen durfte, endlich, welche Ereignisse alle ergriffenen Maßregeln zur Folge hatten. In Wien wurden in dieser letzten Periode noch die mangelnden Instruktionen gegeben und die Prokla­mationen zum Drucke befördert; den 18. März geschah der Aufruf des Generalissimus an die Deutschen und an die Armee. Die Stimmung der Nation und des Heeres war vor­trefflich, Wien damals voll reger Tätigkeit, alles voll Hoff­nung, leider diese aber zu groß, selbst im Ministerialbureau rechnete man auf manche Hilfen1), deren man nicht ver­sichert war. Stadion allein rechnete nur auf Österreich selbst; stets sagte er, man solle alle Anstalten dahin vor­bereiten, als habe man auf nichts zu hoffen; geschehe etwas, so käme dieses dann um desto mehr zu gutem. Er hatte recht. Metternich war noch am 2 i. in Paris, am 24. kamen dort die Garden an. Napoleon brach dann nach Deutsch­land auf. Bei der Ankunft des Erzherzogs in Graz erfolgte der Befehl an die Landwehr zum Aufbruche* 2). Das Heer sammelte sich, allein noch mangelte es an vielem; um einige Monate früher hätten die Anordnungen geschehen sollen. Am 26. hatte schon der Erzherzog den Korpskommandanten die notwendigen Instruktionen gegeben; diese zeigten ihnen seine Absicht, darin war auch für den Fall vorgesehen, wenn der Feind Österreich Vorkommen und angreifen sollte; da war jedes Korps angewiesen, die vorzüglichsten Eingänge zu verteidigen ; das 9. war aber größtenteils bestimmt, dennoch nach Kärnten zu rücken, um von dort aus wirken zu können. *) So hieß es, Deutschland und Italien erwarten bloß das Erscheinen kaiserlicher Heere, um das Joch abzuwerfen, Bayern sei mit seiner Regierung mißvergnügt, in Hessen sei ein Aufstand geordnet, der ausbrechen und Nord­deutschland mit sich fortreißen würde, Preußen würde sich bald für Österreich entscheiden, Rußland vielleicht folgen. Und um eben diese Zeit erwartete man 20.000 Russen in Brest (Litowski), die gar nichts Freundliches hoffen ließen. 2) In Steiermark war sie gekleidet, bewaffnet, ausgerüstet, geordnet, ebenso in Kärnten ; zu minderen Diensten konnte man sie brauchen, in Krain war wenig geschehen, folglich nur in einigen Monaten auf sie zu rechnen. In Görz war sie schon geübt, in Triest jeder Linientruppe gleich.

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