Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

V. Kapitel. Von der Ankunft zu Körmend bis zu der Einrückung in die Kantonierungsstationen nach erfolgtem Stillstand. Vom 1. Juni bis 25. Juli

in Marburg vereinigt. Dieser hätte dann, von M arm ont zurückkehrend, den Erzherzog angegriffen. Napoleon, gezwungen neue Kräfte zu detachieren, wäre geschwächt und außer stände gesetzt worden, zu irgend einer ent­scheidenden Unternehmung zu schreiten; er hätte die Ver­bindung mit Italien verloren und Österreich den Besitz der Gebirgsländer, die Verbindung mit Tirol gewonnen, alle Bewohner in Waffen gehabt. Die Hauptarmee hätte, ihm überlegen, über die Donau setzen können und wirken. So wäre der Tag bei Wagram und die Aufopferung Tirols in die Annalen Österreichs nie gekommen. Die Periode in Körmend zog die ganze Reihe von Ereignissen nach sich, die dann folgten; daß dieses nicht jetzt gedacht und ge­schrieben, daß der Erzherzog es einsah und dachte, be­wiesen seine Vorstellungen und Befehle an Chasteler und Ban. Nie wollte man ihm zugeben, er habe recht gehabt; man hatte seine Anträge zu gewagt gefunden und sah erst die Richtigkeit ein, als die Gefahr eintrat, als es zu spät war. In den letzten Tagen, als der Erzherzog in Körmend war, erhielt er von Sr. Majestät aus Wölkersdorf unter dem Datum des i. ein Handbillett, mit dem Befehle, es nach Tirol zu senden; es war unter offenem Siegel, folglich konnte dasselbe gelesen werden; durch eine sichere Gelegenheit sollte es in das Land kommen, es lautete folgendermaßen: „Meine lieben Getreuen Stände Tirols. Das kindliche Vertrauen, welches Ihr aus Eurer Zuschrift vom n. Mai bezeuget und Euer rühmliches Vorhaben, standhaft auszu­harren, bei vorübergehenden Kriegsunfällen den Mut nicht sinken zu lassen, hat mir neuerdings bewiesen, daß Ihr noch immer jenes biedere, Gott und seinen rechtmäßigen Landes­fürsten mit unerschütterlicher Treue anhängende Volk seid, als das Ihr meinem Herzen stets teuer wäret. Ihr habt bereits mein heiliges Wort, daß ich Euch nie verlassen, daß ich alle Kräfte aufbieten werde, um die Euch drohen­den Gefahren von Euch abzuwenden; nie werde ich dieser feierlichen Verpflichtung uneingedenk sein. Ist es gleich dem Feinde gelungen, augenblickliche Vorteile zu erringen, hat er gleich diese benützt, einen Teil meiner Provinzen zu

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