Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

IV. Kapitel. Von dem Rückzuge von der Etsch bis zu der Ankunft bei Körmend vom 1. Mai bis 1. Juni

98 leben in einer Katastrophe, wo männliche Tatkraft weiter führt als ängstliche Berechnung mathematischer Linien1).” Dieses Schreiben enthält nichts Bestimmtes, man will die gemachten Eroberungen behaupten und doch ist man für die rückwärtigen Provinzen besorgt; deutlich war aus dem­selben zu ersehen, daß nicht am Inn, nicht an der Enns Hiller halten würde, sondern daß der Rückzug bis Wien und die ungarische Insurrektion gehen würde, von welch letzterer bekannt war, daß sie erst im Errichten begriffen sei. Es blieb nun dem Erzherzog die Wahl frei, seine Vor­teile zu verfolgen oder den Rückzug anzutreten. Ersteres mußte ein blutiger Kampf bewirken; die täglichen Gefechte in der Stellung am Alpone mußten dadurch beendet, der Feind in seiner festen Stellung bei Caldiero angegriffen, herausgeworfen und das ganze linke Etschufer zu verlassen gezwungen werden. Kein leichtes Unternehmen, nur mit vielem Blutvergießen zu erreichen, erst dann konnte man hoffen/ sich zu behaupten ; mißlang der Angriff, wurde das Heer rückgeworfen, so lief der Erzherzog Gefahr, mit seiner langen Rückzugslinie, bei seiner Schwäche, wenig in die Erblande zurückzubringen. Was hätte selbst ein Sieg bei Caldiero genützt? Über die Etsch zu setzen und ihn zu be­nützen, werde man wegen der geringen Truppenzahl nicht, der Feind erhielt also Gelegenheit, sich zu fassen, zu sammeln und auf Unternehmungen zu sinnen. Die lange Linie der Etsch, auf dieser drei sichere Übergangspunkte, Verona, Legnago, Brondolo und Venedig im Besitz, erleichterten ihm dieselben; es mußte ihm ge­lingen, endlich seinen Zweck zu erreichen. Wo kam indes der siegreiche Feind in Österreich? Und lag es nicht in *) *) Schweres Begehren. Tirol wurde so betrachtet und auch behauptet; die Lage des Landes, die Mitwirkung der Bewohner und daß des Feindes Hauptkraft auf anderer Seite beschäftigt war, kamen da sehr zu gute. In Italien war es nicht möglich, weil man Venedig nicht hatte und der Feind erst durch eine Schlacht, deren Ausgang noch ungewiß war, über die Etsch geworfen werden mußte. In Innerösterreich wäre es möglich gewesen, wenn die ange­fangenen Anstalten beendigt worden wären und das Volk ebenso geordnet und zum Widerstande geeignet gewesen wäre wie in Tirol: doch selbst dann gab es der Schwierigkeiten noch viele, die die Lage des Landes mit sich brachte, indem es auf einer Seite offen war.

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