Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 85 Sehr gerne wünschte ich, unweit Dir leben zu können, aber ich bin in Zipsen fremd und das Sprichwort sagt recht: Kein Prophet in seinem Vaterlande. Für Dich konveniert es aber in allem Anbetracht. Wenn Du einmal allda ein ganzer Wirt sein wirst, so werde ich Dich besuchen, um meine Vaterstadt und Freunde noch einmal zu sehen. Pia desideria, die noch in weitem Felde stehen. Schwerlich darf ich dieses Glück und meine Kühe hoffen. Indessen glaube ich nichts von hiesigen widrigen Vorfällen oder Zertrennung des Kongresses; alles ist ruhig. Man sagt vielmehr, daß wir annoch vier Monate hier bleiben sollen, wozu auch schon neue Naturalausschreibungen auf dem Tapet, aber noch nicht publiziert sind. Ich embrassiere Dich etc. Paul Kray, GM. Craiova, 22. April 1791. Liebster Bruder! Obwohlen noch kein Befehl besteht, so soll doch die Verlängerung des Waffenstillstandes auf vier Monate soviel als richtig sein, weilen die Türken selbst wünschen, daß wir bis zur Schließung des Friedens mit den Russen die Walachei besetzt halten. Ich bin über diese Waffenstillstandsverlängerung untröstlich, weilen ich meine Erlösung von hier nicht anhoffen kann. Ich habe mich diesfalls bei dem hiesigen neuen Kommandanten General Graf Mit- trowsky unter Vorhaben angefragt, daß, weilen das hiesige Klima meiner Gesundheit nicht gedeihlich, ich auf diesen Fall meine Entfernung und Zurücktretung in die Reservation ordnungsmäßig einbringen müßte. Man hat es, glaube ich, nicht gar gut aufgenommen und auch nur eine unbestimmte Antwort gegeben, welches mich dann bewog, an den Armeekommandierenden Herrn Graf Wallis diesen Antrag zu erneuern, worüber ich noch die Antwort abwarte und mich dann ordnungsmäßig um die Pensionierung melde, weil ich doch nicht im Joch erliegen will. Ich habe lang und immer gut gedient, verdiene also, daß man mir ein paar Jahre der Ruhe vergönne, die manch anderer den ganzen Krieg hindurch genossen und jetzt vielleicht mehr davon hat als ich, der so wichtige Unternehmungen glücklich beendete und nun Zusehen muß, wie andere