Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
86 Just. mich in meiner Reservation auslachen. Alles geht jetzt nach dem Rang. Ich darf vor zehn Jahren auf nichts Weiteres hoffen, vielmehr besorgen, daß mir eine offen werdende Brigade in einem Grenzwinkel gegeben wird, wo ich weder Doktor, Medizin, noch andere Hilfsmittel finden dürfte. Ich brauche Erholung, um die hiesige eingehauchte böse Luft aus den Adern zu schaffen. Wenn ich nur durchdringen kann, so will ich wenigstens ein paar Jahre in meiner Reservation zu bleiben trachten, um durch verschiedene Reisen und gewöhnlichen Aufenthalt in Pest meine Gesundheit zu verbessern. Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein Bruder Paul Kray, GM. * * * Dem wiederholten Ansuchen des Generals, sich von der Armee entfernen zu dürfen, wurde endlich willfahrt. Kray übergab das Brigadekommando an den General Prugglach, um in Mehadia Linderung seiner körperlichen Leiden zu finden. Mehadia im Bad, 26. Juni 1791. Liebster Bruder! Seit dem 8. hujus befinde mich hier im Mehadia Bad. Daß die Türken, statt den Waffenstillstand zu verlängern, vielmehr uns den Krieg angekündigt haben und unsere Ministers von Sistovo nach Bukarest abgezogen, wirst Du ebenso schon wissen, wie daß alle unsere Regimenter aus Ungarn in Bewegung und vollem Marsche sind. Vor drei Tagen ist Nádasdy zu Wasser bei Orsova vorbei und All- vintzy nebst Belgiojoso zu Lande hier bei Mehadia vorbeidefiliert. Alles eilt in die Kleine Walachei, wo der Feind bei Widdin herüberdringen will. Als ich zu Craiova den 24. Mai dem General Prugglach die Brigade übergab, so langte ein paar Stunden darnach von meiner Vorpost die Meldung ein, daß der Feind sich sammle und feindliche Absichten hege. Ich erklärte also dem neu angekommenen General, daß ich bei diesen Umständen ihn nicht verlassen könne, vielmehr wolle ich näher Kalafat auf die äußersten Vorposten mich begeben und allda so lange