Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
84 J U S t. nur daß nach erfolgtem Frieden jedes Regiment in sein vorigen Standort abrücken soll. Bis Ende Mai kann sich noch manches ändern, weil die Russen nur einen vorteilhaften Frieden machen wollen und der türkische Pöbel zu allem geneigt und nur der Sultan noch darwider ist. Vielleicht kostet dieses eine Revolution und den Kopf des Sultans, so wie kürzlich der Großwesir in Sehumla nebst drei vornehmen Paschas geköpft und der Seraskier Jussuf Pascha, so hier in Widdin kommandierte, zum zweitenmal Wesir worden ist. Nicht wahr, traurige Belohnungen. Bei uns sind wir bös, wenn man einen Taugenichts jubiliert. Es ist einmal eine Welt, wo es wundersame Verschiedenheit in der Menschheit gibt. Glücklich, der sie von weitem bewundern oder verachten kann. Ich wünsche sehr, den Überrest meiner Tage außer dem großen Getümmel vollenden zu können. Pia desideria, die nicht von uns ab- hängen. Ich embrassiere etc. und bin Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray, GM. Craiova, 12. März 1791. Liebster Bruder! Dein letztes Schreiben vom 25. Februar erhielt ich rechtens und ersehe daraus Deinen Wunsch, bald befreit werden zu können. Ich billige ganz Dein Vorhaben, mit Pension und Majorstitel austreten zu wollen, weil alle anderen Anstellungen in entlegeneren Gegenden Dir mehr zur Last, als zum Vorteil gedeihen würden. Wir hoffen zuversichtlich einen guten Frieden und etwas von der Walachei zu erhalten, welches mir aber kritisch scheint. Gott gebe es, aber nur soll man mich alsdann nicht hier zurückbehalten, weil mir die Luft und alles zuwider ist. Was nutzet mich Reichtum und Ehrenstellen, wann mich die Sorgen und überhäuften Arbeiten Tag und Nacht quälen. Nach 50 Jahren ist man gebrechlich, kränklich und verdrießlich und außer stand, sein Glück und das Gute zu benutzen. Ich werde nach dem Frieden Urlaub nach Wien nehmen. Wann mir ein Fleckelin Pest, Preßburg oder Wien anständig ist, so retiriere ich mich sicher und entsage der prangenden Misere, um ein paar Jahre vor mein Ende ruhig meine Auflösung zu erwarten.