Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freilierrn Kray de Krajova. 83 alle hiesigen Türken sehr niedergeschlagen und man kann mit Recht hoffen, daß, obwohlen der Kongreß in Sistovo schon beisammen ist, wir einen etwas günstigeren Frieden erhalten dürften. Die Russen marschieren nun mit einem starken Korps, vieler Artillerie und einer Flottille gegen Braila. Fallet dieses noch heuer, so werden ihre Alliierten uns wenig abtrotzen, da besonders Ungarn und Niederlande ganz beruhigt sind. Vielleicht zwingen die Russen die Türken zu einen Partikular­frieden, wodurch ihre Alliierten mit langen Nasen abziehen und schwerlich einen Krieg wider uns wagen. Jetzt habe ich mich gottlob schon ganz von den Über­bleibseln meiner scharfen Krankheit erholt. In zwei Tagen gehe ich meine Brigade revisionieren, welches in dieser üblen Witterung ein unangenehmer Ritt ist. Mein Sohn Franz empfehlet sich Dir; er wird mit mir die Revisionsreise machen, weilen er gerne Orsova und die dasige Gegend besehen möchte. Der jüngere ist zu Karls­burg in Garnison. Ich embrassiere Dich zärtlich etc. Craiova, 1. März 1791. Liebster Bruder! Heute erwarte ich den ungarischen Minister Graf Franz Esterházy hier, um ihn nach Sistovo zum Kongreß befördern zu lassen. Gestern ist ihm aus Sistovo durch unseren dasigen Minister Baron Herbert ein eigener Dolmetsch anhero entgegengesendet worden, der ihn bis nach Sistovo begleiten wird. Durch ebendiese Gelegenheit haben mich die hier durchgereisten vier Minister, von uns, Preußen, England, Holland, unter sehr schmeichelhaften Ausdrücken zu sich auf einige Tage nach Sistovo einladen lassen. Der­malen aber kann ich wegen überhäuften Geschäften nicht ab- kommen, doch werde ich von dieser Offerte profitieren, so­bald die AVitterung besser wird. Durch die generöse Art unseres Monarchen dürfte es ziemlich beim alten bleiben. Ein jeder behaltet das Seinige; nur Rußland will sich in unseren Kongreß nicht einmischen, sondern seine Sache und Krieg allein ausmachen. Auch wir hätten den stolzen Preußen diesen Nasenstüber geben sollen. Von unserem Auseinandermarsche wissen wir noch nichts, 6*

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