Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
82 Just. unserer Zeit in Pavia ein Akademieseminarist war und nun ein berühmter Minister in Preußen ist. Dieser war mit meiner Aufnahme so zufrieden, daß er gleich nach Wien an Kaunitz schrieb und mich, wie er sagte, unserem und seinem König anrühmen wollte. Nun erwarte ich noch in ein paar Tagen den englischen und bald darauf den ungarischen, welcher ein junger Graf Esterházy sein soll. Dann wird der Kongreß in Bukarest anfangen und vermutlich erst im April endigen, bis dahin wir Trübsal werden blasen müssen. Die glücklich erfolgte ungarische Krönung wird auch Einfluß auf die Dislokation der ungarischen Regimenter haben. Vielleicht war es auch Politik, mich im Reservationsstand zu lassen. Diese Besorgnis war gegen mir überflüssig. Grüße mir alle in Zipsen und liebe mich, wie ich Dich, als Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray, GM. Craiova, 1. Februar 1790. Liebster Bruder! Dein aufrichtiger Glückwunsch zum neuen Jahr ist mir rechtens zugekommen. Ich danke Dir nicht nur für Deine Liebe, sondern erwidere Dir auch mit dem treuherzigen Wunsch, Gott wolle Deine lieben Angehörigen in aller Zufriedenheit erhalten. Letzthin ist ein türkischer Gesandter an den preußischen Hof passiert und von mir hier sechs Tage gleichsam zur Reinigung aufgehalten worden. Ich habe ihm nur einen Offizier zur Begleitung bis Orsova mitgegeben, weilen es un- schicksam gewesen wäre, wegen seiner meinen hiesigen Posten zu verlassen, der mir recht viele Mühe und öftere Sorgen macht, da viele Türken in Handlungsgeschäften aus Turn, Nikopoli, Orsova und Widdin herüberkommen, welche unerlaubte Waren heimlich kaufen und hinüber zu praktizieren sich anmaßen und man doch höflich und behutsam mit ihnen sein muß. Daß die Russen Kilia und den 22. auch Ismail mit Sturm eingenommen, wobei bis 4000 Moskoviter und 18.000 Türken tot geblieben, bei 5000 gefangen und eine starke Beute nebst 240 Kanons gemacht worden, hierüber ist mir des Fürsten Potemkin eigene Relation zugekommen. Dieses hat